Schloss Versailles : Restaurierter Spiegelsaal erstrahlt wieder

Nach drei Jahren aufwendiger Restaurierung strahlt der Spiegelsaal des Königsschlosses von Versailles wieder in vollem Glanze.

Hans-Hermann Nikolei[dpa]
Versailles
Der Spiegelsaal von Versailles: Beeindruckende Pracht und Herrlichkeit. -Foto: ddp

ParisNach umfassenden Sanierungsarbeiten ist es nun soweit: Der Spiegelsaal des Schlosses von Versailles ist wieder eröffnet. Touristen können den geschichtsträchtigen Raum mit seinen 357 Spiegeln, Marmorsäulen und Deckengemälden wieder ohne störende Baugerüste bewundern. Das teilte die Schlossverwaltung in Versailles mit. Mit dem weltweit einzigartigen Spiegelsaal hatte der "Sonnenkönig" Ludwig XIV. seine Herrlichkeit demonstriert - und die von den Venezianern gestohlene Technik zum Bau von Spiegeln. Die 1000 Quadratmeter Gemälde des Hofmalers Charles Le Brun stellen erstmals für derartige Innendekorationen den Monarchen und seine Taten in den Mittelpunkt. Er verherrlicht Ludwigs militärische Siege, die ihn zum mächtigsten Monarchen Europas machten, und seine politischen Taten wie die Justizreform und das Duellverbot.

Üblich wären im 17. Jahrhundert Figuren der antiken Mythologie gewesen. Le Brun verzerrte dabei die Figuren der gewölbten Decke so perfekt, dass sie dem Betrachter vom Boden aus natürlich vorkommen. Der von Jules Hardouin-Mansart von 1678 bis 1684 gebaute Saal hatte auch einen praktischen Sinn: Er ersetzte die als unbequem geltende Terrasse zwischen den Gemächern des Königs und der Königin. Für die Marquise de Sévigné war der Spiegelsaal "eine weltweit einzigartige königliche Schönheit". Doch Kerzenlicht, Staub und der Zahn der Zeit setzten der Schönheit mit den Jahren zu. Der Saal wurde immer düsterer. Zwölf Millionen Euro und drei Jahre minutiöser Arbeit der Restauratorenteams von Cinzia Pasquali (Gemälde) und Vincent Guerre (Spiegel) waren nötig, um das Gesamtkunstwerk wieder hell erstrahlen zu lassen.

Dabei halfen Infrarot-Aufnahmen der Gemälde und die Analyse feinster Farbpartikel beim originalgetreuen Restaurieren. Während der umfangreichsten Restaurierungsarbeiten, die es je in Frankreich gegeben hat, blieb der Besucherstrom ununterbrochen. Die Millionen Schaulustigen konnten dabei jeweils einen Teil des 73 Meter hohen Saales mit seinen 17 Arkaden bewundern, während ein anderer Teil hinter bemalten Verschalungen unsichtbar restauriert wurde. Feldlazarett, Hochzeitsaal und Schauplatz der Geschichte: Der Spiegelsaal hat Höhen und Tiefen erlebt. Hier traf sich der Hofstaat zu den wirklich exklusivsten Festen. Der unglückliche König Ludwig XVI. heiratete hier seine Marie-Antoinette. Doch mit den Wirren der Revolution 1789 war zunächst Schluss mit dem Gepränge. Als ein Wunder gilt, dass der Saal die Zerstörungswut der Revolutionäre überstand, wenn auch das Mobiliar verloren ging. Nach dem Sieg Preußens im Deutsch-Französischen Krieg 1870/1871 proklamierte Fürst von Bismarck hier das Zweite Deutsche Kaiserreich. Als Revanche diktierten die Franzosen den Deutschen nach dem Ersten Weltkrieg an gleicher Stelle den Versailler Vertrag, der Deutschland große Lasten aufbürdete und Gebiete nahm. Präsident François Mitterrand empfing hier 1982 die Großen der Welt zum G-7-Gipfel. Jetzt schieben sich jährlich 3,5 Millionen Touristen durch den Spiegelsaal. 

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