Scope Basel : Hier bin ich

Zusammengewürfelt wirkt die Scope Basel mit ihren 85 Galerien im sogenannten "Art District“ am Rheinufer. Gelegenheitskäufer fühlen sich von dem Sammelsurium vielleicht angesprochen, ernsthafte Sammler eher nicht. Doch es gibt einige Lichtblicke.

Heiko Klaas/Nicole Büsing

Bin Laden schaut auch vorbei: Im Eingang der Scope Basel steht eine lebensgroße Bin-Laden-Figur mit Maschinengewehr und schaut heimlich durch ein Guckloch in der Kojenwand. Der Titel der arg plakativen Arbeit bei Ethan Cohen Fine Art, New York (110 000 Euro): „Here I am“.

Zusammengewürfelt wirkt die Scope mit ihren 85 Galerien im sogenannten „Art District“ am Rheinufer. Viel laute, schrille Wohnzimmerkunst findet man auf dieser Nebenmesse, ein Auffangbecken für die Galerien, die in Basel um jeden Preis präsent sein wollen. Gelegenheitskäufer fühlen sich von dem Sammelsurium vielleicht angesprochen, ernsthafte Sammler eher nicht. Doch es gibt einige Lichtblicke: Die mexikanische Galerie arróniz arte contemporáneo zeigt den jungen Daniel Alcalá, der die Fördertürme von Bernd und Hilla Becher in Scherenschnitte übersetzt hat. Die 12-teilige Arbeit wurde für 6000 Euro verkauft.

Dass die Provinz nicht schläft, beweist die Galerie Umtrieb aus Kiel. Ein überzeugender Stand mit jungen Positionen und ernsthaften Arbeiten. Galerien wie dieser und auch dem Fotospezialisten fiedler contemporary aus Köln hätte man ein besseres Umfeld gewünscht.

Durchweg spannungsreicher und professionell geht es ein paar Straßen weiter auf der Volta zu. Hier präsentieren sich 63 internationale Galerien auf zwei Etagen. Die meisten wichtigen Sammler schauen hier vorbei, die Preise sind noch überschaubar. Roebling Hall aus New York präsentiert ein langes Video von Christoph Draeger. Der Schweizer hat den Hitchcock-Klassiker Psycho mit dem Remake von Gus van Sant ineinander montiert. Das Ergebnis: ein doppelt verstörender Schizo-Thriller, der Machart und Effekte beider Filme analysiert (6.500 Euro, Auflage: 5). Kavi Gupta aus Chicago/Leipzig zeigt einen täuschend echten Schneemann von Tony Tasset mit kleinen Laubblättern aus Bronze. Er wurde für 50 000 Dollar verkauft.

Erfolgreich lief die Messe auch für Michael Janssen, Berlin. Er zeigt einen großen, mit Staub gefüllten Plexiglaskubus der jungen Mexikanerin Julieta Aranda. Alle zwei Minuten wirbelt eine immense Staubwolke hoch. Utopia hat hier ausgedient, und die klinisch reine Minimal Art wird ebenfalls vorgeführt: Aranda hat populäre Science Fiction-Romane aus den Siebzigern zu Staub zerschreddert. Die Arbeit (Auflage: 3) für 30 000 Euro ist ausverkauft.

Die Messe hat sich nach vier Jahren in Basel etabliert und feierte jüngst auch in New York Premiere. Expansion nicht ausgeschlossen. In Basel wiederum ertönt aus einem Container, den der Brasilianer Marcos Chavez am Stand von Nara Roesler aus São Paulo platziert hat, unablässig vergnügtes Partygelächter (19 000 Euro). Es passt nicht schlecht zur guten Laune und dem stimmigen Konzept der Volta.

Heiko Klaas/Nicole Büsing

Scope Basel, noch bis zum 8. Juni, www.scope-art.com; Volta Basel, noch bis zum 7. Juni, www.volta.com.

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