Sherman-Ausstellung : Provozierende Posen

Der Berliner Martin-Gropius-Bau zeigt von Freitag an eine Retrospektive mit Werken der amerikanischen Fotokünstlerin Cindy Sherman.

Cindy Sherman
Sherman-Retrospektive im BerlinFoto: dpa

BerlinCindy Sherman ist ein scheuer Mensch. Zur offiziellen Präsentation ihrer ersten deutschen Retrospektive im Berliner Martin-Gropius-Bau wollte die amerikanische Künstlerin nicht kommen. Doch jeden Tag verbrachte die 53-Jährige mehrere Stunden in den lichten Museumsräumen, um die Hängung ihrer Werke zu überprüfen. 220 Arbeiten aus ihrem mehr als 30-jährigen Schaffen zeigt Sherman vom 15.6. bis 17.9. in der Hauptstadt.

Mit ihren inszenierten Fotografien gehört sie zu den gefragtesten zeitgenössischen Künstlern. Auf den meisten ihrer Bilder ist Sherman in immer anderer Verkleidung selbst zu sehen - von den frühen schwarz-weißen "Untitled Film Stills" über die "History Portraits" nach alten Meistern wie Caravaggio, Botticelli und Gainsborough bis zur jüngsten Serie der unheimlichen "Clowns".

Verstümmelte Puppen

Vor allem mit ihren "Horror and Surrealist Pictures", den "Sex Pictures" und "Broken Dolls" provozierte Sherman in den 90er Jahren die Kunstszene und ihre Sammler. Mit verstümmelten Puppen in obszönen Posen hinterfragt sie weibliche Rollenmuster und die Art, in der Frauen in den Medien und der Gesellschaft gesehen werden. Für die ab Ende der 80er Jahre entstandenen "History Portraits" stellte Sherman bekannte Gemälde nach - mit Schminke, Perücken und falschen Plastik-Körperteilen.

In "Hollywood/Hampton Types" (2000 bis 2002) macht sie aus Bürgern verschiedener amerikanischer Schichten mittels drastischer Überzeichnung Karikaturen ihrer selbst. Hinter der Lust an der Verkleidung ist bei Sherman aber immer auch eine Art Angst zu spüren. Hinter der Maske scheint sie Schutz zu suchen vor der hässlichen Realität unserer Welt.

Parodistisch, bizarr, brutal

Es gehe ihr nicht darum, in den Verkleidungen möglichst viele Seiten von sich selbst zu zeigen. "Ich will ja nicht mich selbst ausstellen, sondern mittels meiner Person auf etwas anderes verweisen", sagt Sherman. Für ihre Werke lässt sie sich nach eigenem Bekunden von Mode, Märchen, den alten Meister der Malerei und Pornografie inspirieren. Parodistisch, bizarr und oft brutal entlarven Shermans Arbeiten soziale Stereotype.

Sherman
Foto: Promo

Überlebensgroß wie die meisten von Shermans Figuren blicken auch die zuletzt entstandenen "Clowns" den Betrachter an. Acht Gestalten vor am Computer künstlich geschaffenen Hintergründen - Shermans einziges Zugeständnis an die moderne Technik. Die Farben leuchten, doch das Grinsen und die Fratzen der Spaßmacher wirken gefährlich. Das Komische und Groteske der Kunstfiguren kippt gerade ums ins gruselig Unheimliche.

Die Werke der vom Pariser Museum Jeu de Paume konzipierten Schau stammen zum großen Teil aus Privatsammlungen und Shermans eigener Galerie in New York - für das deutsche Publikum bietet die Ausstellung eine seltene Gelegenheit, Shermans Werk in seiner Vielfalt zu sehen. Der rund 300-seitige Katalog zur Ausstellung kostet 49,90 Euro. (mit dpa)

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