Streit um Nofretete : "Wir sind keine Jäger des verlorenen Schatzes"

Die Nofretete ist heiß begehrt. Bei der Wiedereröffnung des Neuen Museums in Berlin am 16. Oktober wird sie die Hauptattraktion sein. Doch auch Ägypten möchte sich mit der schönen Nofretete schmücken. Der Streit um den rechtmäßigen Besitz der Statue geht weiter. Ein Interview mit Ägyptens Chefarchäologe Zahi Hawass.

Martin Gehlen[Kairo]
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Begehrt: Nofretete. -Foto: dpa

Herr Hawass, am Freitag wird das Neue Museum in Berlin feierlich wiedereröffnet mit der Nofretete als Hauptattraktion. Haben Sie als Chef der ägyptischen Antikenverwaltung vor, Wasser in den deutschen Wein zu gießen?

 

Nein, das tue ich nicht – auch wenn ich persönlich überzeugt bin, dass die Nofretete Ägypten 1913 illegal verlassen hat. Ich bin zur Einweihung eingeladen, werde aber nicht kommen. Wir sind dabei, Dokumente zusammenzutragen, um zu klären, was sich damals bei der Fundteilung genau abgespielt hat. Wir haben ein Komitee gebildet, das alle Belege auswertet. Wenn dies abgeschlossen ist, werden wir entscheiden, was wir tun. Ich habe die Deutschen gefragt, uns die Nofretete in fünf Jahren zur Eröffnung unseres neuen großen Museums in Giza auszuleihen. Von den Verantwortlichen in Berlin habe ich keine entgegenkommende Antwort erhalten. Stattdessen hieß es, die Büste dürfe nicht reisen, sie sei zu fragil. Inzwischen wurde die Büste jedoch zu anderen Plätzen bewegt. Wir sind keine Jäger des verlorenen Schatzes. Wenn wir die Nofretete als Leihgabe bekommen, werden wir sie auch zurückgeben.

 

Letzte Woche sind Sie in einer spektakulären Weise gegen das Museum Louvre in Paris vorgegangen. Sie haben Fundstücke zurückgefordert und die archäologische Zusammenarbeit mit den Franzosen mit sofortiger Wirkung auf Eis gelegt. Haben Sie vor, in Zukunft auch andere große Museen der Welt härter anzupacken?

 

Der Louvre hat einen großen Fehler gemacht, indem seine Kuratoren in den achtziger Jahren fünf gestohlene dekorative Wandgemälde aus dem Tal der Könige gekauft haben. Das war ein Verbrechen. Wenn das Schule macht, werden Diebe ausgerechnet durch Museen ermutigt, in Ausgrabungsstätten, Grabkammern oder Magazinen Fundstücke zu stehlen. Ich hatte dem Louvre zuvor einen Brief geschrieben, doch sie haben nicht reagiert. Letztes Wochenende hat der französische Präsident Sarkozy nun Präsident Mubarak angerufen und angekündigt, dass die gestohlenen Fragmente in den nächsten Tagen zurückgegeben werden. Das ist Sieg für uns.

 

Haben Sie vor, die archäologische Zusammenarbeit mit Deutschland ebenfalls auf Eis zu legen?

 

Nein.

  

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