Ausstellungen : Themenausstellungen in zwei Berliner Galerie

Einen Geburtstag kann man auf viele Arten feiern. Mit Party, Champagner – oder einem Gast, wie ihn sich Jörg Johnen zum 25. Jahrestag seiner Galerie eingeladen hat.

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Die Fälscherin. Skulptur von Wiebke Siem in der Galerie Johnen. Foto: Galerie Johnen

Jens Hoffmann heißt der junge, international erfolgreiche Kurator, seine Aufgabe: eine Ausstellung zum Jubiläum inszenieren, die Geschichte subjektiv erzählt. Und Hoffmann leistet ganze Arbeit – obwohl er gerade mal zehn Jahre älter als die Galerie Johnen ist.

Seine Sicht ist die der nächsten Generation. Ein Jahrgang, der respektvoll, aber nicht starr vor Ehrfurcht auf das Werk von Candida Höfer, Hans-Peter Feldmann oder Thomas Ruff blickt. Die Künstler gehören fest ins Programm der Galerie und prägen ihre konzeptionelle Ausrichtung. Mit Blick auf das nahe Deutsche Theater lädt Hoffmann die Kunst nun zu einem intimen Kammerspiel, das sich in drei Akte gliedert und nach der „Exposition“ bloß heute noch den sehenswerten Part der „Konfrontation“ beschert. Mit kleinen, unaufgeregten Arrangements, die inhaltliche und formale Bezüge zwischen den ausgewählten Arbeiten offenlegen.

Den steten Kern der Schau „Konversationsstücke“ bilden Fotos, Programmhefte und Plakate aus dem Archiv des Deutschen Theaters. So integriert Hoffmann das dramatische Fach und stellt nicht zuletzt seine eigene Funktion als Impresario im Kunstbetrieb infrage. Aus der simplen Feierlichkeit wird ein schillerndes Stück, das sich Ende März mit dem Schlussakt der „Auflösung“ fortsetzt.

In malerischer Auflösung sind auch jene Bilder begriffen, die in der Galerie Cruise & Callas hängen. Die abstrakten Motive stammen teils aus den fünfziger Jahren und zeigen informelle Malerei der ersten Garde; darunter Bilder von Emil Schumacher, K. F. Dahmen, Gerhard Hoehme, Karl-Otto Götz oder Bernhard Schultze, die in der jungen Galerie wie vom Museumsstaub befreit wirken.

Erfunden hat die Berliner Kuratorin Gesine Borcherdt diese neue Sympathie für das Informel sicher nicht, den Werken der Vergangenheit begegnet man zur Zeit verblüffend oft. Doch strahlt in der Ausstellung „Gegen die Form“ die Kraft der zeitgenössischen Bilder etwa von Helmut Dorner, André Butzer oder Frauke Boggasch auf die Pioniere der Ungegenständlichkeit zurück. Nach 1945 wurde sie erst zur einzig adäquaten künstlerischen Sprache erhoben und später dann hoffungslos eskapistisch genannt. Im Dialog aber gelangen die Bilder zu neuer Stärke. Christiane Meixner

Galerie Johnen, Marienstr. 10., Samstag, 13.3., 11-18 Uhr, dann wieder ab 20.3.-17.4. / Cruise & Callas, Köpenicker Str. 187/188; bis 20.3., Mi-Sa 12-18 Uhr.

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