USA-Impressionen : Mike West in der Galerie Imago

Für manchen ist der amerikanische Westen mehr als ein Jugendtraum. Mike West, der seinen wahren Namen nicht nennen will, hat von der Weite der Prärie und den endlosen Highways schon geträumt, als er in Woltersdorf bei Berlin aufwuchs. Jetzt zeigt er fotografische USA-Impressionen in der Galerie Imago.

Hans-Jörg Rother

Anfangs fühlte er sich mehr zur Musik hingezogen und absolvierte an der Hochschule Hanns Eisler eine Ausbildung als Musikschnittmeister. Dann kamen die Reisen und mit ihnen die ersten fotografischen Projekte. In Cucamonga bei Los Angeles fand er seine Wahlheimat. In der Fotoklasse bei Mathias Richter von der Imago Galerie und an Arno Fischers Fotoschule am Schiffbauerdamm lernte er das Handwerk.

Im Gespräch bekennt sich der heute Fünfzigjährige offen zu dem Regisseur und Fotografen Wim Wenders als seinem Vorbild. Aber Wests knapp vierzig zum Teil großformatige Arbeiten, die Imago den Sommer über zeigt, sind ganz anders: farbig, teilweise von Dias aufwendig umkopiert und im Computer bearbeitet. Ein pastellfarbener Horizont verkürzt die Ferne, Nebel dämpft die Farben, etwa bei der Ansicht einer verschlossenen Autowerkstatt, neben der zwei schrottreife Limousinen auf Abholung warten.

Fasziniert von dieser Tristesse hat der Maler Walter Eisler nach dieser Fotografie ein wandgroßes Ölgemälde geschaffen und die Szenerie romantisch in die Nachtzeit verlegt. Auch dieses bietet die Galerie zum Kauf an – um ein Vielfaches teurer als die mit 350 Euro bescheiden ausgepreiste Fotografie.

Das Studium bei Arno Fischer scheint bei West wenig Spuren hinterlassen zu haben: Menschen kommen in seiner fotografischen Welt, im Gegensatz zu der des Meisters, jedenfalls nicht vor. Ob je ein Pilot in die Kanzel eines der bei Tuscan abgestellten Militärflugzeuge steigt oder jemand das öffentliche Telefon an der Kreuzung zweier Landstraßen in Montana nutzen wird? Die Hauptstraße von Warm Springs wirkt, als wären die Häuser und Bars schon für immer verlassen. „So Many Roads“ hat West seine Ausstellung überschrieben, aber die Straßen führen nirgendwo mehr hin. Aus der endlosen Weite, die in Wenders Fotoserien offen vor dem Betrachter liegt, hat West raffiniert komponierte und doch in jeder Weise eng umgrenzte Landschaftsminiaturen mit nach Hause gebracht. Die Sehnsucht habe ihn nach Amerika gezogen, sagt der Mann aus Woltersdorf, aber vielleicht war es eine Flucht – sogar vor dem eigenen Namen.

Imago Fotokunst, Auguststraße 29c; bis 29. August, Do–Sa 14–19 Uhr.

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