Video-Dokumentation : Wie klingen kriegsversehrte Instrumente?

Dieses Altsaxofon wurde im Zweiten Weltkrieg in Berlin schwer beschädigt. Die Künstlerin Susan Philipsz hat ihm für das Projekt "War Damaged Musical Instruments" neues Leben einhauchen lassen.

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Wie klingt das? Oder auch nicht? Susan Philipsz hat für ihr Projekt "War Damaged Musical Instruments" auch dieses Altsaxofon spielen lassen.
Wie klingt das? Oder auch nicht? Susan Philipsz hat für ihr Projekt "War Damaged Musical Instruments" auch dieses Altsaxofon...Foto: Courtesy of J. Fernandes, Tate Photography

Zerdrückt, verbogen, zerstört: Das Instrument auf dem Bild hat Gewalt erfahren, das sieht man. Aber wie klingt es?

Das fragten wir, die Macher der Samstagsbeilage Mehr Berlin im Tagesspiegel, uns auch, nachdem wir mit der schottischen Klangkünstlerin Susan Philipsz übereingekommen waren, auf unserer Kunst-Titelseite am 21. November 2015 das Bild des Altsaxofons zu präsentieren.

Philipsz, die seit 2001 in Berlin lebt und arbeitet und 2010 mit dem renommierten Turner Prize ausgezeichnet wurde, hat es in ihr Projekt "War Damaged Musical Instruments" eingebunden. 1945 wurde das Instrument aus dem Alte-Münze-Bunker in Berlin geborgen und zählt heute zu den Beständen des hiesigen Musikinstrumenten-Museums.

Genauer gesagt hat Philipsz das Saxofon und weitere kriegsversehrte Instrumente im Rahmen ihres Projekts von den Musikern Rainer Brennecke und Jan von Klewitz "spielen" lassen.

Die Künstlerin ließ die Musiker auf vier der historischen Instrumente (ausgestellt im 1. Stock des Musikinstrumenten-Museums, Eingang Ben-Gurion-Straße) das für Soldatenbegräbnisse genutzte Hornsignal „The Last Post“ intonieren.

Video
War Damaged Musical Instruments
War Damaged Musical Instruments

Die dabei entstandenen Ton- und Filmaufnahmen sind Teil von Philipsz’ ebenfalls an diesem 21. November in der Londoner Tate Gallery eröffnenden Ausstellung mit 14 in verschiedenen Kriegen beschädigten Querflöten, Hörnern und Trompeten.

„Blasinstrumente brauchen den menschlichen Atem, um zu klingen“, sagt Susan Philipsz. Ihre Arbeit zeigt, dass der Atem des Spielers bisweilen der einzige Ton ist, der überhaupt noch entsteht. Susan Philipsz und die Tate Gallery haben uns freundlicherweise ein Video zur Verfügung gestellt, in dem die Arbeit mit den Instrumenten dokumentiert ist.

Die Künstlerin in ihrer Installation. Susan Philipsz in der Londoner Tate Gallery
Die Künstlerin in ihrer Installation. Susan Philipsz in der Londoner Tate GalleryFoto: Courtesy of J. Fernandes, Tate Photography

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