Völkerkunde : Chinesische Tonkrieger für Hamburger Museum

Sechs Wochen später als geplant sind die Krieger des Kaisers von China in Hamburg angekommen. Noch nie waren so viele der Original-Tonkrieger der berühmten Terrakotta-Armee auf einmal in Deutschland zu sehen.

Carola Große-Wilde[dpa]
Tonkrieger
Terrakotta-Armee. Schutz über den Tod hinaus. -Foto: dpa

HamburgNun sind sie doch eingetroffen und strahlen im Hamburger Museum für Völkerkunde um die Wette: acht lebensgroße Original-Tonkrieger des ersten Kaisers von China (259 bis 210 v. Chr.). "Die Chinesen haben uns sehr schöne Figuren geschickt, die so noch nicht zu sehen waren", sagte Ausstellungsleiter Thomas Hafermann in Hamburg. Neben den Soldaten sind zwei Originalpferde der Terrakotta-Armee und 68 kostbare Grabbeilagen aus Ton, Bronze und Jade zu sehen. Die spektakuläre Schau hatte im Vorfeld für Wirbel gesorgt, weil die chinesischen Behörden die Ausfuhrgenehmigung zunächst verweigerten und die Exponate so nicht rechtzeitig ankamen.

"Wir wissen immer noch nicht, warum die Chinesen so spät gehandelt haben", sagte Hafermann. Die Exponate standen fertig verpackt in China zum Abflug bereit. Es fehlte nur noch der Stempel des Provinzgouverneurs. Die These, die Ausfuhrgenehmigung wurde als Reaktion auf den Auftritt des Dalai Lama in Hamburg oder seinen Empfang durch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verweigert, wurden immer wieder als Spekulationen bezeichnet. "Sowohl der chinesische Generalkonsul Ma Jinsheng als auch Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust haben sich sehr bemüht, die Angelegenheit zu klären", sagte Hafermann. Die Schau, die das Leipziger Center of Chinese Arts and Culture (CCAC) konzipiert hat, wird von den Chinesen unterstützt.

13-jähriger Kaiser wollte Armee aus Angst vor dem Tod

Im März 1974 hatten Bauern nahe des chinesischen Dorfes XiJang eine sensationelle Entdeckung gemacht. Bei Brunnenarbeiten waren sie auf die riesige Grabanlage des ersten Kaisers von China, Qin Shihuang, gestoßen. "Bereits mit 13 Jahren hatte der Kaiser das Grab in Auftrag gegeben", sagte die Leiterin der Asienabteilung des Museums, Susanne Knödel. "Er war ein fürchterlicher Tyrann und hatte große Angst vor dem Tod." Nach chinesischer Tradition werden den Verstorbenen Dinge mit auf den Weg gegeben, die ihren Status festschreiben für die Ewigkeit. Der Kaiser ließ seine komplette Armee in Lebensgröße nachbilden. Bis heute wurden 6000 Krieger ausgegraben.  

Stumm blicken in Hamburg 120 lebensgroße Nachbildungen von Soldaten den Besuchern in die Augen. In Reih und Glied stehen Vorhut, Hauptteil, Flanken und Nachhut. Neben den 2200 Jahre alten Originalexponaten ist auch ein Ausschnitt von dem Grabungsfeld im Maßstab 1:1 mit den Kriegern zu sehen.

Die Grabbeilagen unterstreichen die einzigartige Stellung des Kaisers. So zeigt eine Scheibe aus Jade den Weg der Sonne. "Das Loch in der Mitte symbolisiert den Polarstern, das Symbol für den Herrscher, um den sich alles dreht", sagt Knödel. Von den bronzenen Reisewagen, mit denen der Kaiser durch das Land fuhr, stehen in Hamburg nur Modelle - die Originale sind zu kostbar und werden nicht verliehen. "Von den Wagen waren immer mehrere unterwegs. Der Kaiser hatte wahnsinnige Angst vor Attentaten und niemand durfte wissen, wo er sich aufhielt."

www.terrakotta-armee-ausstellung.de

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