Waldemar Otto : Der Einheitskünstler

Waldemar Otto arbeitet weiter an seinem Denkmal. Die Serie seiner "Demonstranten" ist nun in der Galerie am Gendarmenmarkt zu sehen.

Michaela Nolte

Etwas grimmig schaut der „Große Alte Mann“. Mit skurril verschobenen Proportionen verleiht Waldemar Otto der Bronzefigur eine Verschrobenheit, deren freundlicher Witz auch Selbstironie verrät. Als einer von 532 Teilnehmern des Wettbewerbs für das „Freiheits- und Einheitsdenkmal“ hat Otto sich vom Debakel um dessen jähen Abbruch nicht beeindrucken lassen. In seinem Worpsweder Atelier arbeitet er weiter an der Serie seiner „Demonstranten“, die nun in der Galerie am Gendarmenmarkt (Taubenstr. 20, bis 22. November) zu sehen sind.

Der Plan zeigt einen Bogen, welcher der Stadtschloss-Fassade etwa bis zur Höhe des Portals vorgelagert ist. An seinem Fuß tummeln sich links und rechts allerlei Frauen mit Kerzen und Demonstranten mit Plakaten, denen die Losungen der friedlichen Revolution von 1989 eingeritzt sind. Durch Einladung weiterer Bildhauer aus allen Teilen Deutschlands, die sich der realistischen Figur verpflichtet fühlen und die sein Skulpturenprogramm ergänzen sollten, wollte Otto den Einheitsgedanken betonen.

Die Ausstellung präsentiert 14 „Demonstranten“ als frei stehende Bronzeplastiken (3200-5200 Euro). Im extremen Spiel von konvexen und konkaven Formungen biegen und krümmen sich die Figuren zu anrührenden Menschen, deren Weltgefüge aus dem Lot geraten ist. Ottos Bildnisse entfalten mit ihren überdehnten Körpern, der glatten Oberflächengestaltung und ihren subtilen Brüchen einen Realismus, der solide zwischen Erkennen und Erkenntnis siedelt. In der Summe der Bronzereliefs „Szenarium Alexanderplatz“ und „Großes Szenarium Nikolaikirche Leipzig“ (9800/24 000 Euro) formieren sie sich jedoch zum rührseligen Pathos. Im Kontext eines nationalen Denkmals wirkt das altbacken; tritt doch die gelehrsame Huldigung an die Stelle einer zeitgemäß künstlerischen Transformation.

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