Warschau : Polen legt Grundstein für jüdisches Museum

Auf dem Boden des ehemaligen Warschauer Ghettos ist heute der Grundstein für ein Museum gelegt worden, das an die 900-jährige Geschichte der Juden in Polen erinnern soll.

Museum Warschau
Warschau: In Warschau entsteht ein Museum, das an die 900-jährige Geschichte der Juden in Polen erinnern soll.Foto: AFP

WarschauIn Warschau entsteht ein Museum, das an die 900-jährige Geschichte der  Juden in Polen erinnern soll. Der polnische Präsident Lech Kaczynski äußerte zu Beginn der Zeremonie die Hoffnung, dass das Museum zur Verständigung zwischen Polen und Juden beitragen werde. An der Grundsteinlegung nahmen neben zahlreichen polnischen und jüdischen Persönlichkeiten wie den Großrabbinern von Tel Aviv, Meir Lau, und von Warschau, Michael Schudrich, auch Altbundespräsident Richard von Weizsäcker sowie die EU-Kommissarin für Regionalpolitik, Danuta Hübner, teil.

Baubeginn soll Anfang 2008 sein. Die Idee für die Erinnerungsstätte geht auf den verstorbenen Direktor des Jüdischen Museums in Washington, Shaike Weinberg, zurück. Der in Warschau geborene Israeli wollte damit der Geschichte des Judentums in Polen ein Denkmal setzen. Die Eröffnung des Museums ist für das Jahr 2010 vorgesehen. Polen war vor dem Zweiten Weltkrieg Heimat einer der größten jüdischen Gemeinden weltweit. Von den mehr als drei Millionen Juden, etwa zehn Prozent der Bevölkerung, überlebten nur etwa 280. 000 den Holocaust. Entstehen wird das Museumsgebäude auf den Ruinen des jüdischen Ghettos im Viertel Muranow. Hier hatten die Nazis ab Herbst 1940 mehr als 500.000 Menschen zusammengepfercht. 300.000 von ihnen wurden im Vernichtungslager Treblinka ermordet. Tausende starben schon vor dem Transport an Hunger und Krankheiten im Ghetto.

Vier Stockwerke Platz

Die letzten Überlebenden erhoben sich im Frühjahr 1943 gegen die Nazis. Zur Niederschlagung des Aufstands brannten die deutschen Besatzer das Ghetto nieder. Zu den künftigen Exponaten gehören unter anderem zwei Farbfotos von dem Ghetto-Brand, die der bis heute unbekannt gebliebene Fotograf nachts vom Dach der italienischen Botschaft aus aufnahm, aus Furcht festgenommen zu werden. Das künftige Museum auf der Wiese vor dem Denkmal des Ghetto-Aufstands ist ein internationales Projekt. Seit Jahren sammeln Forscher und Freiwillige auf der ganzen Welt das Wenige, was von der reichen jüdischen Kultur Polens geblieben ist. Auf diese Weise sind bisher mehr als 60.000 Bilder, Dokumente und Objekte zusammengetragen worden.

Sie werden aber nicht ausgestellt, sondern sollen über die künftige Datenbank des Museums zugänglich werden. Die historische Ausstellung des Museums wird in neun Galerien die Geschichte der Juden in Polen zeigen, vom elften Jahrhundert bis zur Zeit nach dem Krieg. Die Besucher werden wie im Theater durch die Kulissen einer untergegangenen Welt gehen, darunter eine Synagoge und ein Schtetl, eine typisch ostjüdische Siedlung. Über diesen Galerien wird das neue Museum auf fast vier Stockwerken Platz bieten für Wechselausstellungen, Workshops, Konferenzen, Kino, Theater und eine Mediathek. An der Finanzierung des Museums beteiligen sich außer privaten Spendern, dem polnischen Staat und der Stadt Warschau auch deutsche Stiftungen und die Europäische Union. (mit AFP)

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