Wasser : Ware und Waffe

Die ifa-Galerie untersucht das feuchte Element. Anhand von Fotoreihen, Objektinstallationen und Videos lässt sich die Breite des Spektrums im Verhältnis von Mensch und Wasser erahnen.

Kerstin Roose

Es flutet sommertrockene Gärten so selbstverständlich wie durstige Kehlen, umschmeichelt staubige Autos ähnlich zärtlich wie Körper – und verschwindet dann höflich gurgelnd im Abfluss. Während der durchschnittliche Europäer 160 Liter Trinkwasser pro Tag verbraucht, stirbt irgendwo in der Welt ein Kind. Mit unvorstellbarer Regelmäßigkeit: Fünfzehn Sekunden – das ist der Takt des Todes in Regionen, wo Menschen von kontaminiertem Wasser leben müssen.

Nüchtern und eindringlich nähert sich die Ausstellung „Wasserlust und Wassers Not“ Zusammenhängen wie diesen. Sieben internationale Künstler, die das Wasser als Ware und Waffe, lebensspendendes und todbringendes Element thematisieren. Anhand von Fotoreihen, Objektinstallationen und Videos lässt sich die Breite des Spektrums im Verhältnis von Mensch und Wasser erahnen. Dabei sind die Perspektiven der Arbeiten so vielgestaltig wie das Element, das sie umkreisen.

Während die Fotos des türkischen Künstlers Erdal Buldun das Meer als Projektionsfläche für Gefühle und Sehnsüchte bannen, dokumentiert die Videoinstallation des in Palästina geborenen Taysir Batniji ein Paradox. 109 verschiedene Bezeichnungen kennt der arabische Raum für das Element Wasser – und ist doch zugleich eine der Regionen, die am meisten unter der Verknappung dieser kostbaren Ressource zu leiden haben. Batniji schrieb alle diese Begriffe für Wasser mit Wasser und versinnbildlichte damit auch die schwierige Liaison von Natur und Kultur. Während die Schrift als kulturelles Gut versucht, der Natur im Prozess des Bezeichnens habhaft zu werden, verwehrt sich diese der Aneignung auf ihre Weise: Verdunstend verschwinden die Worte. Kerstin Roose

ifa-Galerie, Linienstr. 139/140, bis 20. Juli, Di-So, 14-20 Uhr, Sa 12-20 Uhr, Eintritt frei. Der Katalog kostet 14 €.

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