Weltausstellung : Expo des Wassers beginnt in Saragossa

Ein neu gestalteter Fluss, Europas größtes Süßwasseraquarium, futuristische Floßfahrten: Die Expo in Saragossa beginnt und die Veranstalter haben keine Mühen gescheut. Aber nicht überall stößt die Ausstellung auf Zustimmung.

Jörg Vogelsänger[dpa]
Saragossa
Extra für die Expo: Die neue Brücke über den Ebro. -Foto: dpa

SaragossaAus der Entfernung entsteht der Eindruck, ein riesiges Raumschiff sei über dem Fluss Ebro gelandet. Und selbst aus der Nähe scheint der funkelnde Brückenpavillon der irakischen Stararchitektin Zaha Hadid nicht von dieser Welt zu sein. Das imposante Bauwerk, das in Form einer sich öffnenden Gladiole den Fluss auf einer Länge von 280 Metern überspannt, ist das Wahrzeichen der Weltausstellung im nordostspanischen Saragossa, die an diesem Samstag ihre Tore öffnet. Drei Monate lang dreht sich auf der ersten Expo in Europa seit Hannover 2000 alles um das Thema "Wasser und nachhaltige Entwicklung".

Ausgerechnet das nasse Element hat die Veranstalter bis zuletzt jedoch in Bedrängnis gebracht: Nach den schwersten Regenfällen in fast 100 Jahren trat der Ebro über die Ufer und überschwemmte Teile des in einer Flussschleife (Mäander) gelegenen Expo-Geländes, was die Arbeiten arg behinderte. "Unter diesen Umständen ist es ein Wunder, dass wir rechtzeitig fertig geworden sind", räumt Expo-Chef Roque Gistau ein.

Die bis zum 14. September laufende Schau ist im Vergleich zu Hannover zwar kleiner, das Gesicht Saragossas hat sie aber dennoch grundlegend verändert. Immerhin 3,5 Milliarden Euro öffentliche und private Investitionen sind anlässlich der Expo in Spaniens fünftgrößte Stadt geflossen.

Der Ebro gewinnt an Charme

Hatten die rund 650.000 Einwohner bislang mit dem Rücken zum wasserreichsten Fluss des Landes gelebt, lockt der Ebro auf 16 Kilometern Länge nun mit Uferpromenaden, Grünanlagen, einem 120 Hektar großen Park, Stränden und Radwegen. Hinzu kommen neue Brücken, ein neues Flughafenterminal oder ein neuer Kongresspalast. "Die Expo ist ein Sprung 15 Jahre nach vorne", sagt Bürgermeister Juan Alberto Belloch stolz.

Es gab aber auch Kritik. Als heuchlerisch empfanden es einige Umweltschutzgruppen, dass ausgerechnet ein Land mit einer so großen Wasserverschwendung wie Spanien eine Expo unter diesem Motto veranstaltet. "Das ist nicht nachhaltig, sondern unhaltbar", meinte etwa die Organisation Ecologistas en Acción. Ein "grünes" Thema habe als Vorwand gedient, um tonnenweise Beton zu verbauen und ein riesiges Spekulationsobjekt hochzuziehen. Proteste gab es auch gegen den Bau eines Flusswehrs, das den Ebro für Ausflugsboote schiffbar gemacht hat. Greenpeace lehnte die Teilnahme an der Expo ab. Vertreten sind aber mehr als 200 andere Umweltschutz- und Nicht-Regierungsorganisationen, darunter WWF oder Birdlife.

Die 105 teilnehmenden Nationen stellen auf dem 25 Hektar großen Gelände sich selbst sowie die Probleme und Lösungen ihrer Länder im Umgang mit dem (Trink-)Wasser vor. Deutschland lädt in seinem Pavillon zu einer futuristischen Floßfahrt durch die Welt des Wassers und präsentiert dabei neueste Technologien zur verantwortungsbewussten Nutzung des lebenswichtigen Elements.

Europas größtes Süßwasseraquarium mit 5000 Fischen

Eine der Hauptattraktionen für die erwarteten rund vier Millionen Expo-Besucher ist Europas größtes Süßwasseraquarium. Es beherbergt 5000 Fische und andere Wassertiere aus fünf Flüssen aller Kontinente: Nil, (Afrika), Mekong (Asien), Amazonas (Amerika), Darling-Murray (Australien) und Ebro (Europa). Architektonische Highlights sind neben Zaha Hadids Brücke der Pavillon Aragoniens, der einem riesigen geflochtenen Schilfkorb gleicht oder der Pavillon Spaniens, dessen mit Ton umhüllten Pfeiler einem Pappelwald nachempfunden ist.

Beeindruckend sind auch das höchste Lehmgebäude der Welt und der 78 Meter hohe "Wasserturm". Er gleicht von oben einem Tropfen und hat innen einen Hohlraum so groß wie eine gotische Kathedrale. Nicht zuletzt wartet die Schau mit fast 5000 Musik-, Tanz- und Theatervorführungen, sowie Konzerten von Iggy Pop über Youssou N' Dour bis Montserrat Caballé auf. Viele davon finden am Flussufer statt - sofern es der Ebro zulässt.

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