Ausstellungen : Welt(ge)wissen

Die NGBK Berlin zeigt „Der blinde Fleck“

Simone Reber

„Vorsicht, giftige Pflanzen!“, warnt ein Schild in den Räumen der NGBK vor dem Betreten des Treibhauses. Der Künstler Klaus Weber hat für seine „Allee der Schlaflosigkeit“ zwei Reihen Engelstrompeten gepflanzt. Nach einer kolumbianischen Legende soll ihr Blütenstaub rauschhafte Träume hervorrufen. Eine Überdosis aber kann zum Tod führen. Die heilsame Wirkung der Erinnerung, der Schutz der Verdrängung vor einem Übermaß an Schmerz, das sind die Themen in der Ausstellung „Der blinde Fleck“ in der NGBK (bis 19. 10.). Nina Fischer und Maroan el Sani haben etwa in Paris die leeren Regale und verwaisten Lesesäle der Bibliothèque nationale gefilmt. Soll heißen: Das Wissen der Welt existiert nur noch unsichtbar im World Wide Web.

Höhepunkt der Schau aber ist die filmische Recherche von Hito Steyerl in den Archiven von Sarajewo. Während die Künstlerin die ersten Wochenschauen sucht, die nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden, erfährt sie mehr über die Wunden und Traumata des jüngsten Krieges. Ein Zeichner erzählt, wie er als Muslim auf der Flucht mit Steinen beworfen wurde. Während Hito Steyerl den blinden Fleck umkreist, wird die Vergangenheit sichtbar. So faszinierend die Einzelarbeiten in dieser ambitionierten Ausstellung sind – der Garagencharme des Raumes verhindert einen Erzählfluss. Die Besucher müssen den Blick immer wieder auf eine neue Region der Welt fokussieren, auf den Kongo, Bulgarien oder Lettland. Dazwischen bleibt dann wirklich ein blinder Fleck. Simone Reber

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