Austra live in Berlin : Vom Maschinenraum auf den Dancefloor

Die kanadische Electropop-Band Austra gab im Berliner SchwuZ ein mitreißendes Konzert.

Anne-Sophie Schmidt
Katie Stelmanis ist der Kopf von Austra.
Katie Stelmanis ist der Kopf von Austra.Foto: Melt

„Wie sollen wir noch Hoffnung finden, wenn alles trostlos scheint?“, fragt die kanadische Synth-Popband Austra auf ihrem letzten Album „Future Politics“ und deutet mit dem Titel bereits die Antwort an: Indem wir uns eine Zukunft vorstellen, die besser ist, als alles was wir kennen. Vielleicht hat sich die Gruppe um Katie Stelmanis ja gedacht, dass sie den Fans im Berliner SchwuZ eine Show bieten, die besser ist, als alles, was sie kennen. So fühlt es sich jedenfalls zwischendurch an.

Ela Minus sorgte im Vorprogramm mit ihrem Elektropop bereits für erste Begeisterungsstürme. Erfreulicherweise bleibt sie auf der Bühne, da sie an diesem Abend die Drummerin Maya Postepski ersetzt. In ihrem weißen Kleid bildet sie die hintere Ecke einer Rautenformation: vorne in einem weiten, tiefroten Kleid Katie Stelmanis, rechts Bassist Dorian Wolf, links Keyboarder Ryan Wonsiak im schwarzen Netz-Tanktop. Mit „Darken Her Horse“, einem Song der ersten Platte „Feel It Break“, steigen sie ein. Die rohen, rauen Bässe geben den Ton an. Der Blaumann des Bassisten passt zu einem Sound, der an einen Maschinenraum denken lässt, in dem an tiefen, schweren Klängen geschuftet wird, die in Kombination mit Stelmanis Gesang aber eine erstaunliche Leichtigkeit erhalten.

Weltschmerz in langgezogenen Vokalen

„Happy to be back here“, verkündet Stelmanis nach dem zweiten Lied. „I’m really bad at talking“ – das ist nicht weiter schlimm, wo sie doch sofort beweist, dass sie dafür wirklich gut im Musikmachen ist. Mit einem Knall geht es weiter, spätestens hier entfachen Austra eine ansteckende Tanzstimmung. Mit glasklarer Stimme singt Stelmanis, die fast Opernsängerin geworden wäre, und gäbe es Fenstergläser in diesem Gewölbe, sie wären nahe am Zerspringen. Wie in der Oper sind die Texte nicht immer zu verstehen, aber das ist auch nicht weiter wichtig. Der Weltschmerz in den langgezogenen Vokalen ist vollkommen ausreichend. „I’m a monster / I am on fire /… I don’t feel nothing, anymore“ singt Stelmanis über einen gewaltigen Synth-Teppich.

Mit dem dezenten Glitzer um ihre Augen wirkt sie, je nach Song und Licht, mal tränenbedeckt, mal wie die Königin der Nacht. Bei „Home“ vom zweiten Album „Olympia“ beginnt Stelmanis zunächst alleine am Klavier, bevor die Band schlagartig einsteigt und den Song zur allerfeinsten Dance-Nummer macht. Die Spielfreude der Band überträgt sich auf den Saal. Die Ekstase im Raum entlockt der Drummerin ein diabolisches Lachen. Wenn die Zukunft ein bisschen so ist, wie dieser Abend, muss man sich weniger Sorgen machen.

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