Auswärtige Kulturpolitik : Junge Ideen - Goethe geht online

Das Goethe-Institut will weiter dezentralisieren und sein Internetportal ausbauen. Angela Merkel stärkt nach Jahren der Tristesse dem renomierten Haus den Rücken. Vielleicht fließt im kommenden Jahr sogar mehr Geld.

Gerrit Bartels
Goethe
Einsatz für mehr Kultur: Bundeskanzlerin Angela Merkel und der Präsident des Goethe Institutes Klaus-Dieter Lehman verstehen sich...Foto: dpa

Das Problem ist kein geringes. Aufgrund einer neuen Erdbebenverordnung, dem „Eurocode 8“, gelten 13 Häuser des Goethe-Instituts weltweit als einsturzgefährdet. Das erklärte Jürgen Maier auf der Jahrespressekonferenz des Goethe-Instituts und forderte in seiner Eigenschaft als kaufmännischer Direktor, dass bald Mittel zur Sanierung dieser Häuser bereitgestellt würden. Damit demnächst etwa aus Afghanistan nicht „Absurdistan“ werde, wie Maier hintersinnig anführte, wolle man hier einerseits doch beim Wiederaufbau des nationalen Theaters in Kabul mithelfen, müsse aber gleichzeitig wegen der Erdbebenverordnung mit der vorläufigen Schließung des eigenen Hauses rechnen.

Vergleicht man jedoch Probleme dieser Art mit denen, die das Goethe-Institut vor gut drei Jahren hatte, als rabiate Sparmaßnahmen drohten, so herrschte an diesem trüb-diesigen Donnerstagvormittag in den Räumen der Goethe-Dependance in Berlin-Mitte allseits eitel Sonnenschein. Nach Umstrukturierungen innerhalb des Hauses, einer Haushaltssanierung und der letztes Jahr beschlossenen Etaterhöhung durch den Bundestag um 13 Millionen Euro befinde sich das „Goethe-Institut im Wandel“, wie der seit April 2008 dem Institut vorstehende Klaus Dieter Lehmann betonte. Drei wesentliche Punkte dafür sprach er an: die Innovation, die von der Peripherie ausgeht, will heißen „die konsequente Dezentralisierung und Stärkung der Auslandsinstitute“. Der Zuwachs an „jungen Leuten mit jungen Ideen“. Und der „Aufbau einer leistungsfähigen Internetstruktur“.

Auch Generalsekretär Hans-Georg Knopp sprach von einem „Motivationsschub“, von „Stimmungswandel“ und verwies auf die Highlights des Jahres, das Symposium „Wiedervorlage Nationalkultur“ und die Tropen-Ausstellung, beide in Berlin, und nicht zuletzt, korrekt, korrekt, auf den Besuch der Bundeskanzlerin in der Zentrale in München. Ebenfalls ein Erfolg: Die Wiedereröffnung des 1998 in Tansania geschlossenen Hauses. Und überhaupt der Schwerpunkt Afrika, für den 2009 noch einmal eine Million Euro mehr zur Verfügung stehen wird und der auch eine Neugründung in Angolas Boomtown Luanda vorsieht.

Verwiesen wurde im Weiteren auf die „Sprachoffensive“ des Goethe-Instituts, die Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ (Pasch), an deren Ende es 2010 tausend Partnerschulen weltweit geben soll, die „Deutschunterricht auf höchstem Niveau anbieten“; auf die Eröffnung eines Gründungsbüros im russischen Nowosibirsk; und auf das europäische Theaterprojekt „After the fall“, das mit seinen 15 beteiligten Instituten dem immer wieder beschworenen Netzwerkgedanken exemplarisch entspricht.

Man blickt also optimistisch in die Zukunft beim Goethe-Institut, Wirtschaftskrise hin oder her. Und doch vergaß Präsident Lehmann nicht, Dringlichkeiten zu formulieren: „Wenn wir weiterhin so erfolgreich Deutschland mit der Welt und die Welt mit Deutschland verknüpfen sollen, brauchen wir die volle Unterstützung.“ Frank-Walter Steinmeier dürfte es wohlwollend vernommen haben. 

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