Auszeichnung : Friedenspreis für Barenboim

Der israelische Dirigent und Pianist Daniel Barenboim erhält den Friedenspreis der Geschwister Korn und Gerstenmann-Stiftung - unter anderem für die Gründung des West-Eastern-Divan-Orchestra.

Frankfurt/Main - Die mit 50.000 Euro dotierte Auszeichnung erhielt Barenboim für seine Verdienste um die Aussöhnung zwischen Israelis und Palästinensern. Der Preis, den Abraham Korn und seine Schwester 1985 zum Gedenken an ihre im Konzentrationslager Majdanek ermordete Nichte Sarah Gerstenmann stifteten, ist zum dritten Mal vergeben worden. Frühere Preisträger waren der ehemalige israelische Regierungschef und Friedensnobelpreisträger Schimon Peres und der israelische Schriftsteller Amos Oz.

Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Salomon Korn, hob besonders das West-Eastern-Divan-Orchestra hervor, das Barenboim 1999 mit dem inzwischen gestorbenen palästinensischen Literaturwissenschaftler Edward Said gegründet hatte. Mit dem Orchester, in dem junge Menschen aus Israel und arabischen Ländern musizieren, habe Barenboim einen «von Toleranz und Verständigung geprägten Mikrokosmos geschaffen», sagte Korn. Auch der Laudator, Bundestagsvizepräsident, Wolfgang Thierse, würdigte das Orchester als Erfolgsgeschichte. Die Musiker demonstrierten, dass «friedliche Zusammenarbeit prinzipiell möglich» sei. Barenboim habe stets versucht, «Grenzen durchlässig zu machen».

In seiner Dankesrede sagte Barenboim, er sei traurig über die Entwicklung in seinem Land seit 1967, als Israel unter anderem den Gazastreifen, das Westjordanland und Ostjerusalem besetzt hatte. Dafür habe Israel einen Teil der Verantwortung. «Es kann nicht sein, dass die ganze Verantwortung auf der anderen Seite ist.» Israel müsse eine normale Gesellschaft bauen: «Dazu gehört nicht, andere Gebiete zu besetzen.» Barenboim betonte, es gebe einen Unterschied zwischen Macht und Stärke. Jeder militärische Sieg im Nahostkonflikt habe Israel mehr Macht gegeben, aber keine Stärke.

Sein Preisgeld von 50.000 Euro will der Generalmusikdirektor der Berliner Oper unter den Linden für die Gründung eines Forschungsinstituts für die Entwicklung von arabischer Musik stiften. (tso/dpa)

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