Auszeichnung : Geld und Genie

Die Goethe-Medaillen, ein offizieller Orden der Bundesrepublik Deutschland, sind allein mit der Ehre dotiert. Preisträger und Laudatoren begegnen einander auf Augenhöhe.

Rüdiger Schaper

Sein Leben lang hat Goethe sich mit Geld beschäftigt, als Finanzminister, als Dramatiker, als Kulturphilosoph. Ein Kind reicher Eltern, erbte er ordentlich, und seine Autorenhonorare – der Geheimrat verhandelte mit Verlegern hart – flossen reichlich. Summa summarum soll sich sein Vermögen in späteren Jahren, so weit man damalige Taler in heutige Währung hoch- und umrechnen kann, auf wenigstens sieben Millionen Euro belaufen haben.

Über den „Dichter des Geldes“ und sein einnehmendes Wesen sprach Sigrid Löffler in ihrer Festrede zur Verleihung der Goethe-Medaillen im Weimarer Residenzschloss. Berühmt sind die Finanz-Szenarien aus „Faust II“ – die Erfindung des Papiergelds am Kaiserhof, wo der Teufel seine Hand im Spiel hat. Eine visionäre Geschichte, wie geschaffen für die Gegenwart. Der Wert des Geldscheins beruht auf Glauben und Vertrauen, Wertschöpfung an den Börsen ist pure Magie, und die Alchemisten, so Löffler, haben nur deshalb ihre Bemühungen aufgegeben, aus Dreck Gold zu schaffen, weil die Alchemie der Banknoten unendlich viel schneller Profit abwirft. Madoff hat Mephisto abgelöst in den „systemischen Krisen der Weltrisikogesellschaft.“ Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) suchte in seinem Grußwort ebenfalls nach monetären Verbindungen, er sprach trocken von der Bedeutung der Investitionen in das „Kulturland Thüringen“ .

Die Goethe-Medaillen, ein offizieller Orden der Bundesrepublik Deutschland, sind allein mit der Ehre dotiert. Das Goethe-Institut verleiht sie jährlich in Weimar; nun zum ersten Mal zu Goethes Geburtstag am 28. August und nicht mehr, wie in den Jahren zuvor, zum Todestag am 22. März, was doch um einiges freundlicher und sommerlicher wirkt. Erstmals auch kooperiert das Goethe-Institut mit Nike Wagners Weimarer Kunstfest „Pèlerinages“, das am Freitag eröffnet wurde und sich mit einem einschlägigen Weimarer Thema befasst: „Die Ideale“.

Klaus-Dieter Lehmann, Präsident des Goethe-Instituts, fordert von den Deutschen mehr „Leidenschaft für unsere Sprache“. Das verbindet die Preisträger der Goethe-Medaille: ihre Passion für die deutsche Sprache und Kultur. Der Norweger Sverre Dahl hat die kolossale Zahl von 120 deutschsprachigen Titeln in seine Sprache übersetzt; darunter Goethe, Novalis und Hölderlin, Kafka, Hermann Broch, Max Weber, Ingo Schulze und Daniel Kehlmann. Per Ohrgaard, dänischer Germanist und Grass-Biograf, würdigt Dahl in einer feinen Laudatio über die (un)bescheidene Arbeit des Übersetzens.

Im Werk des schwedischen Schriftstellers Lars Gustafsson wiederum ist deutsche Philosophie allgegegenwärtig. Der Germanist Heinrich Detering preist ihn in seiner Laudatio als „einen poetischen Philosoph und philosophischen Poeten.“ Preisträger und Laudatoren, die einander auf Augenhöhe begegnen, intensive Gespräche über das, was Goethe „Weltliteratur“ nannte, das macht das legere Programm um die Verleihung der Goethe-Medaillen aus. Bewegend die Rede des rumänischen Theatermannes Victor Marian Scoradet. Er hat nahezu sämtliche zeitgenössischen deutschsprachigen Theaterautoren in seinem Land bekannt gemacht, schon zu Zeiten der Securitate-Diktatur. Deutsche Stücke als Brücke zu sozialen und politischen Realitäten. Die Dramatikerin Dea Loher zeichnet Scoradets mutiges Lebenswerk in leisen Worten nach: ein Drama mit gutem Ausgang. 

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