Auszeichnung : Grass lehnt Brücke-Preis ab

Günter Grass bleibt auch nach dem Gespräch mit der Jury des Görlitzer Brücke-Preises bei seiner Ablehnung der Auszeichnung. Er fürchte, die Verleihung könne falsch verstanden werden.

Halle/Görlitz - Der Literaturnobelpreisträger habe seine Entscheidung mit dem derzeit angespannten Verhältnis zwischen Polen und Deutschland begründet. Die Brückenpreisvergabe an ihn sei ein Zeichen, das falsch verstanden werden könne. Auch wolle er weder Görlitz noch den Preis diskreditieren. Zudem befürchte Grass Proteste während der Preisverleihung. Das sagte der Präsident der Gesellschaft zur Vergabe des Preises, Willi Xylander, dem Sender "MDR Figaro".

Xylander verteidigte die Entscheidung, an der Vergabe des Preises an Grass trotz dessen Enthüllungen über seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS festzuhalten. Kriterium für den Preis sei, dass sich jemand in besonderem Maße und mit besonderem Einsatz für die Völkerverständigung stark gemacht habe. Das treffe für Grass nach 1945 in besonderer Weise zu. Er sei einer der herausragenden deutschen Schriftsteller, der das Bild der Polen in Deutschland geprägt habe und umgekehrt. Mit der Danziger Trilogie hätten viele Deutsche mehr über Polen gelernt als im Geschichtsunterricht.

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass Grass wegen der anhaltenden Diskussion über seine Vergangenheit als Jugendlicher bei der Waffen-SS den Görlitzer Brücke-Preis nicht annehmen wolle. (tso/ddp)

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