Auszeichnung : Pina Bausch erhält Kyoto-Preis

"Ich habe noch furchtbar viel vor", sagte die 67 Jahre alte Tanzkünstlerin und weltweit gefeierte Chefin des Tanztheaters Wuppertal vor der Verleihung des Kyoto-Preises. Pina Bausch habe Barrieren eingerissen, so die Stifter.

Pina Bausch
Pina Bausch. Die 67-jährige Künstlerin verband Theater und Tanz. -Foto: ddp

Düsseldorf/WuppertalKonkrete Projekte wollte sie jedoch nicht nennen, da sich immer wieder neue Möglichkeiten für ihr Ensemble und sie ergäben, erklärte die Choreographin im Vorfeld der Verleihung des mit 400.000 Euro dotierten Kyoto-Preises. Die neben dem Nobelpreis höchste Auszeichnung für Wissenschaft und Kultur nimmt Pina Bausch am 10. November in Japan entgegen.

Möglicherweise wird sich das Wuppertaler Tanztheater auch am Programm der Kulturhauptstadt 2010 im Ruhrgebiet beteiligen. "Das Angebot steht", sagte NRW-Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff. "Man muss das ganz genau angucken", meinte Bausch, die ab 1955 an der Folkwangschule in Essen studiert hat. Mit dem Konzept ihres Tanztheaters, das immer wieder das Verhältnis der Geschlechter zum Thema hat, genießt die Wahl-Wuppertalerin heute einen internationalen Ruf als grundlegende Erneuerin des Balletts.

"Ich bin mit meinen Tänzern einen langen Weg gegangen"

Sie nehme den Preis in Japan gern in Empfang, weil damit der Tanz insgesamt geehrt werde, sagte Bausch. Die Auszeichnung sehe sie auch als Ehrung für ihr Ensemble: "Ich bin mit meinen Tänzern einen langen Weg gegangen", betonte die seit 1973 in Wuppertal arbeitende Tänzerin, die in ihren frühen Jahren vielen Anfeindungen ausgesetzt gewesen ist. Dieser Weg sei "spannend, schwierig, schmerzhaft und beglückend" gewesen, meinte Bausch. Ohne "Disziplin" und zahlreiche Gastspiele in aller Welt, "mit der Lust, Türen aufzustoßen", hätte sie "die Kraft nicht gehabt, so lange an einem Haus zu bleiben". Bei ihrer Kunst gehe es "nicht um das bloße Können, es geht um das Leben und darum, für das Leben eine Sprache zu finden", erklärte die Künstlerin ihre Arbeit. Mit ihrer Art des Tanzes wolle sie Gefühle, Erinnerungen und Hoffnungen wecken, die alle Menschen gemeinsam haben.

Pina Bausch werde für ihr überragendes Lebenswerk geehrt, das die Barriere zwischen Tanz und Theater niedergerissen habe, sagte in Düsseldorf Mitsuru Imanaka, Europa-Chef des Technologie-Konzerns Kyocera, dessen Gründer 1984 den Kyoto-Preis gestiftet hat. Zu den bisherigen Preisträgern gehören unter anderem der Philosoph Jürgen Habermas, der Dirigent Nikolaus Harnoncourt, der Pop-Maler Roy Lichtenstein und die Primatenforscherin Jane Goodall. (mit dpa)

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