Auszeichnungen : Paul und Paula unterm Schutz des Papstes

Filmverleih feierte mit vielen Defa-Stars. 14 Filme stehen in der Liste der "100 wichtigsten deutschen Filme aller Zeiten". In der Jubiläumsgala wurde am Sonntag an Erfolge und Stars erinnert.

Zum elften Mal sind „Die Kinder von Golzow“ auf der Berlinale vertreten. Unter dem Titel „Und wenn sie nicht gestorben sind – dann leben sie noch heute ...“ hatten die beiden letzten Teile der unendlichen Geschichte aus dem Oderbruch gestern Mittag in der Sektion Forum der Filmfestspiele Premiere. 14 Tage nach dem Mauerbau starteten Barbara und Winfried Junge 1961 ihr Filmdokument über die Kinder im brandenburgischen Golzow – heute die weltweit längste Zeitdokumentation der Filmgeschichte.

Für dieses Lebenswerk bekam das Ehepaar gestern während der Berlinale-Gala des Progress Film-Verleihs im Deutschen Theater einen Ehrenpreis. Den vergab der 1950 gegründete ehemalige DDR-Monopolverleih erstmals anlässlich seines eigenen Jubiläums – der Privatisierung vor zehn Jahren. Seither ist Progress Teil der Tellux-Gruppe. Die gehört wiederum der katholischen Kirche. Dieser Hintergrund stimmte gestern den Progress-Geschäftsführer Jürgen Haase und den Staatssekretär für Kultur, André Schmitz, gleichermaßen für die Progress-Zukunft zuversichtlich – laufe doch die Katholische Kirche sicher nicht Gefahr, aufgekauft werden. Damit steht das einstige sozialistische Filmgut sozusagen unter dem Schutz des Papstes.

Immerhin stehen 14 Defa-Filme mit in der Liste der „100 wichtigsten deutschen Filme aller Zeiten“. In der Jubiläumsgala wurde gestern an Defa-Erfolge und Stars erinnert. So improvisierte der Film-Komponist Peter Gotthardt an zwei Klavieren zu märchenhaften Defa-Klassikern wie „Der kleine Muck“ oder „Der Froschkönig“ aber auch zu Kultfilmen wie „Paul und Paula“, den seit 1973 vierzehn Millionen Zuschauer sahen. Mit „Solo Sunny“ erinnerte Gotthardt an einen Berlinale-Erfolg von 1980 – als beste Darstellerin wurde damals die Schauspielerin Renate Kroessner für diese Hauptrolle geehrt. Auf der Gästeliste der Gala war ihr Name nicht zu finden – dafür aber viele andere aus Film und Fernsehen bekannte Gesichter wie Franziska Troegner, Gojko Mitíc, Katrin Sass und Manon Straché, auch Regisseure wie Pepe Danquart, Hark Bohm und Egon Günther. Mit Rolf Hoppe und Hilmar Thate standen gestern zwei Ehrengäste im DT auf der Bühne, deren Filme wie „Mephisto“ oder „Professor Mamlock“ unvergessen sind. Thate hat auch nichts vergessen. Auf der Bühne, auf der er gestern für seine BrechtDarbietung Beifall erntete, bekam er ab 1973 keine Rolle mehr, weil er gegen Biermanns Ausweisung protestierte. hema

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