Kultur : Auto- Biografien

Steffen Richter

testet die Wagen der Schriftsteller Die Sache mit den Dichtern und den Autos ist schon auffällig. Autos bringen die Literatur in Bewegung. Man schaue sich nur Paul Austers „Musik des Zufalls“ an. Da fährt der Protagonist mit einem Saab 900 quer durch Amerika. Fritz Rudolf Fries jagt in den „Nonnen von Bratislava“ im Volvo durchs vereinigte Europa und der Italiener Andrea Canobbio hat in „Der Garten“ gerade erst ein Dutzend Pkw vom Fiat Panda bis zum 166er Alfa Romeo untergebracht und im Werk Umberto Ecos sind Autos Legion.

Die Bedeutung des Automobils für einen deutschen Klassiker verhandeln am 7. Juli (20 Uhr) der ausgewiesene Brecht-Experte Jan Knopf und der bislang eher als Trabant-Experte bekannte Schriftsteller Falko Hennig (Brecht-Haus, Chausseestr. 125, Mitte). Brecht hatte sich 1928 mit dem Werbegedicht „Singende Steyrwägen“ ein Vehikel der österreichischen Steyr AG verdient. Im Jahr darauf fuhr er den Wagen an einen Baum. Aber weil er den Unfall für die Zeitschrift „Uhu“ rekonstruieren half, bekam er prompt ein neues Wägelchen. Sein früher Unfall indes hat sich vermutlich in der Keunergeschichte „Herr K. fährt Auto“ niedergeschlagen.

Apropos Unfall. Zu den Unfallursachen zählt in neuester Zeit bekanntlich großformatige Dessous-Werbung am Straßenrand. Das hatte Ernst Litfaß gewiss nicht im Sinn, als er am 1. Juli 1855 seine ersten „Annoncier-Säulen“ aufstellen ließ und damit die Außenwerbung erfand. Zum 150. Geburtstag des traditionsreichen „Straßenmöbels“ hat Wilfried F. Schoeller dem Drucker, Schauspieler, Zeitungsherausgeber und gewieften Selbstvermarkter Ernst Litfaß eine Biografie gewidmet (Schöffling & Co.). Am 6. Juli (20 Uhr) stellt er sie im Brecht-Haus vor. Wer mit dem Fahrrad kommt, erspart sich die nervenaufreibende Parkplatzsuche.

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