Kultur : Avantgarde von gestern

Régine Chopinot tanzt „Garage“ im Tacheles

Sandra Luzina

Régine Chopinot trägt das kurze Haar immer noch wasserstoffblond – ein Look, wie ihn auch Jean-Paul Gaultier liebt. „Le Défilé“ von 1985, entstanden in Zusammenarbeit mit dem Pariser Modedesigner, begründete Chopinots Ruhm als Choreografin. Die Bewegung waren so extravagant wie die Kostüme. 12 Jahre lang haben die beiden Künstler sich inspiriert. Régine Chopinot liebt immer noch den Punk. Warum auch nicht? Als Leiterin des Ballet Atlantique-Régine Chopinot bringt die 55-jährige Französin fast jedes Jahr eine große Produktion heraus. Ihr Blondschopf leuchtet derzeit im Tacheles auf – in der Kunstruine zeigt sie ihr Solo-Projekt „Garage“. Doch sie hält den Ort merkwürdigerweise immer noch für eine Bastion des Underground. Dass sie sich diese künstlerische Nische sucht, geschieht aus einer privilegierten Position heraus – die Künstlerin hat das Tacheles nämlich selbst angemietet.

Der Abend hat etwas Gespentisches: Man kann die Avantgarde von gestern besichtigen. Die ersten spärlichen Gesten Chopinots erzeugen noch eine gewisse Spannung – doch die Bewegungen sind nicht der Musik abgelauscht. Es entsteht kein Dialog. Die Tänzerin, in sich versunken, verharrt im Zwielicht. Nur kurz schreibt sie ein paar energetische Schraffuren in den Raum. Man gewinnt den Eindruck, dass Chopinot unbedingt ihrem Gitarristen den Vortritt lassen wollte. Der traktiert das Publikum mit Rückkopplungseffekten. Da hat Chopinot sich schon aus dem Staub gemacht. Eine Dame verschwindet.Sandra Luzina

Wieder am 7.-9., 12.-16., und 19.-21.12., 20 Uhr.

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