Avi Avital in der Philharmonie : Bis zum Glühen

Mandolinist Avi Avital gastiert mit den Musici di Roma im Kammermusiksaal der Philharmonie.

Johannes Metternich
Avi Avital
Avi AvitalFoto: Promo

Mit einer „Italienischen Winterreise“ stimmen die Musici di Roma im Kammermusiksaal der Philharmonie auf die Weihnachtszeit ein. Heiligabend ist in Sicht, lebhafter Barock von Corelli, Locatelli, Paisiello und Vivaldi im Programm – und die Musiker freuen sich selbst schon wie die kleinen Kinder.

Mit unbändiger Spritzigkeit gehen die Streicher in Corellis Concerto Grosso in D-Dur, allen voran die ersten Geigen. Kräftig werfen sie sich in jeden Streich, treiben das Orchester vor sich her und fallen dabei fast vom Stuhl, nehmen sich dann im Adagio zart zurück, um im Vivace vor tänzelnder Freude wieder fast zu zergehen. Corellis „Fatto per la notte di Natale“ kommt da eine Spur schwerer daher: Fortwährend oszilliert es zwischen vorfreudigem Allegro und melancholischem Adagio. Mühelos wechseln die römischen Musiker beständig die Register und legen so viel Dramatik in die Dissonanzen wie Unbekümmertheit in die rasanten Themen.

Dieser Virtuosität steht Avi Avital in den Mandolinenkonzerten in D-Dur, a-moll und C-Dur von Vivaldi sowie dem in Es-Dur von Paisiello in nichts nach. Der Mandolinist wurde dieses Jahr mit einem Echo Klassik für seine Vivaldi-Aufnahmen ausgezeichnet. Er thront leicht erhöht im Zentrum der Bühne, umringt von seinen italienischen Begleitern. Avital ist aber kein Despot, sondern Partner: Er wiegt sich von Seite zu Seite und spricht förmlich mit seinen Kollegen, fordert im Tutti die Geigen zur Präsenz auf und stützt sich im Solo vertrauensvoll auf das Cello.

Was auch immer in den Sätzen an verborgenen Stimmungen schlummert, Avital kehrt sie hervor und treibt sie auf die Spitze: Virtuos und lebendig fegt er durchs Tutti-Allegro, ergeht sich schwärmerisch in filigranen Solo-Kaskaden und badet sich im Pathos des Largo, nicht ohne eine Portion Ornamentik einfließen zu lassen. Umso verblüffender, dass er dort vollends fasziniert, wo die dramatische Aufladung der Musik ausbleibt: Vivaldis Konzert in C-Dur trägt weder Tragik noch Komödie in sich, ist vielmehr eine heitere, unprätentiöse Studie. Die Leichtigkeit und Transparenz jedoch, die Avital und die Musici (allesamt im Pizzicato!) ins Stück hineintragen, lässt rundum Kinnladen fallen. Bei seiner Zugabe hingegen lässt Avital alle Zurückhaltung fahren: Mit einer bulgarischen Volksweise bringt er seine Mandoline noch einmal zum Glühen.

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