Azealia Banks in Berlin : Rapperin und Straßenköter

Komisch, dass Azealia Banks eher nach Londoner Straßenköter-Grime klingt als nach New York. Aber genau so muss Hip-Hop sein! Im Berliner Huxley's macht die Rapperin richtig Lärm.

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Zukünftiger Megastar. Jedenfalls ziemlich wahrscheinlich. Die New Yorker Rapperin Azealia Banks.
Zukünftiger Megastar. Jedenfalls ziemlich wahrscheinlich. Die New Yorker Rapperin Azealia Banks.Foto: Universal

Das Hype-Thermometer zeigt gerade bei niemandem derart hohe Temperaturen an wie der New Yorker Rapperin Azealia Banks. Die 23-Jährige hat in den letzten drei Jahren schon mit den aktuellen Royals des internationalen Pops, mit Lady Gaga und Pharrell Williams, zusammengearbeitet, eine kleine Depression hinter sich gebracht und diverse Newcomer- und Style-Awards gewonnen. Nur ein Album fehlt noch, um die Karriere der zierlichen Rapperin endgültig durch die Decke gehen zu lassen.

Man sollte meinen, in Zeiten von Spotify, in denen Musik nur noch häppchenweise konsumiert wird, haben Alben keine große Bedeutung mehr. Scheint aber doch nicht so zu sein. Gleich mehrfach thematisiert Azealia Banks im Neuköllner Club Huxley’s ihr Album, das bereits mehrfach angekündigt und immer wieder verschoben wurde. Vielleicht ist das aber auch nur ein Zeichen dafür, dass die Platte demnächst wirklich erscheint, und Banks rührt einfach schon einmal die Werbetrommel.

Dafür, dass man mit Azealia Banks – ziemlich wahrscheinlich – einen künftigen Megastar erleben kann, ist das „Huxley’s“ erstaunlich leer. Und dafür, dass die New Yorkerin dann tatsächlich den Beweis antritt, nicht zu hoch gehandelt zu werden, erst recht. Ihre Show ist großartig gaga, was vor allen an den vier Tänzern liegt, die sich permanent auf der Bühne verrenken und dazu Klamotten tragen, die selbst Prince zu exaltiert wären. Azealia Banks dagegen, die mit diversen Tweets bereits als Zicke aufgefallen ist, gibt überhaupt nicht die Diva, sondern kommuniziert ausgiebig mit dem Publikum. Erstaunlicherweise klingt ihr Hip-Hop eher englisch als amerikanisch, eher nach Londoner Straßenköter-Grime als nach New York.

Doch genau so muss Hip-Hop klingen, der sich von den gängigen Rapformeln und Klischees befreien möchte. Gegen die Beatbasteleien, die Azealia Banks von ihrem DJ auffahren lässt, klingen sogar die Experimente von Hip-Hop-Erneuerern wie Kanye West oder den Neptunes onkelig. Der DJ bedient sich bei Rave und Industrial, scratcht sich durch Vinylplatten. Irgendwann ist das Banks zu leise, sie will mehr Krach und verlangt, dass die Lautstärke erhöht werde. Jetzt tanzt auch der Typ im Publikum, der aussieht wie Pharrell Williams, inklusive Hut.

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