"B-Movie" auf der Berlinale : Alles so schön kaputt hier

Nostalgie und Lachnummer: „B-Movie“ zeigt in der Panorama-Sektion die West-Berliner Musikszene der 80er. Mit dabei: Jede Menge alte Bekannte und ein feinsinniger Kommentator.

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Der ruhmreiche West-Berliner Underground: "B-Movie".
Der ruhmreiche West-Berliner Underground: "B-Movie".Foto: Berlinale

Legendäre Orte wie das Risiko, der Dschungel oder der vom „wahren Heino“ geführte Scheissladen, Protagonisten wie Blixa Bargeld, Nick Cave, Gudrun Gut und ihre Band Malaria!, Die Tödliche Doris, Jörg Buttgereit, Die Ärzte – man hat all die Geschichten vom ruhmreichen West-Berliner Underground vor 1989 in den letzten Jahren schon oft gehört. Warum sich also auch noch eine Dokumentation anschauen, die zum größten Teil aus vorhandenem Film- und Fernseh-Material besteht?

Aus dem kaputten Manchester ins noch kaputtere West-Berlin

Nun, zum Beispiel, weil „B-Movie: Lust & Sound in West-Berlin“ nicht nur vom Regietrio Jörg A. Hoppe, Klaus Maeck und Heiko Lange aus unzähligen Schnipseln liebevoll zusammengetragen und klug und mitreißend montiert wurde, sondern vor allem eine erfrischende Außenseiterperspektive anbietet, die dem Gesehenen eine ganz andere Glaubwürdigkeit verleiht als die sonst übliche Selbstbeweihräucherung der Szene. Denn der Erzähler des Films ist weder Berliner noch einer der die Subkultur der Achtziger bevölkernden Westdeutschen, sondern Brite: Mark Reeder, ein spargeldürrer Krautrock- und Punk-Fan mit spleenigem Uniformfetisch (den auszuleben sich wohl kaum ein Einheimischer getraut hätte), kommt 1978 aus dem postindustriell kaputten Manchester in das zu seiner Überraschung noch kaputtere West-Berlin.

Reeder stürzt sich begeistert in das wilde, freie Nachtleben der eingemauerten Stadt, ist überall dabei und bewahrt doch stets eine wohltuende Dosis Restdistanz. Er wohnt in besetzten Häusern, führt britische TV-Journalisten herum, organisiert Konzerte in Ost-Berlin, gründet Bands und ein Plattenlabel – vor allem aber bleibt er ein präziser Beobachter und feinsinniger Kommentator einer Stadt im permanenten Umbruch. Wer dabei war, wird womöglich ein paar Tränchen der Rührung verdrücken. Wer nicht, dürfte Tränen lachen über diese Zeitreise in eine kuriose, aufregende Welt mit all ihren Helden, Dilettanten und Versagern.

9.2., 12 Uhr (Cinestar 7), 11.2., 22.30 Uhr (Colosseum 1), 13.2., 22.45 Uhr (Cinestar 3), 14.2., 22.30 Uhr (Cinestar 7)

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