Kultur : Baal: im Dreck des Lebens

Nicki von Tempelhoff ist ein Baal ganz und gar von heute, kahlrasiert und grau und gewalttätig.Null Bock auf gar nichts.Der Regisseur Sven-Eric Bechtolf mischte fünf verschiedene "Baal"-Fassungen, und nicht selten denkt man, man ist in einem fremden Stück.Denn Baal ist auch kein Dichter, er singt dreckig-rockig zur herrlich durchdringend sirrenden Elektrogitarre und ist einfach ein Ekelpaket: zerstörerisch, mitleidlos - mit dem man aber merkwürdigerweise Mitleid hat, wenn er nach ausgeübten Erniedrigungen, Vergewaltigungen usw.selbst Gefühl zeigt und seinen Freund Ekart (wunderbar: Hans Kremer, links) vergeblich liebt.Verstörend wirkt die Figur, und alle Thalia-Schauspieler geben sich ziemlich gekonnt der Sinnlosigkeit hin, suchen nach Liebe und Glück und landen bei Suff und Drogen.Baal will sich am Leben besaufen, doch das Leben schert sich einen Dreck um ihn.Obwohl man leider die herrlich rhythmischen Baal-Brecht-Verse gesungen praktisch nicht versteht und der dichterische Rhythmus auch hin ist - trotzdem: ein sehenswerter Versuch, den Baal von heute zu finden. U.K.

Das Hamburger Thalia-Theater gastiert mit der Aufführung am 7., 8., 10.und 11.Dezember beim Berliner Ensemble.

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