Kultur : Babel & Co: Bruno Preisendörfer über scharfe Messer und grobe Klötze

Aus der Serie: "Babel & Co"

Gehen Sie in die Kirche? Lieber ins Kino? Oder etwa in Bibliotheken? Eine als "Kulturverschwörung" titulierte Reihe thematisiert kulturelle Institutionen, die Oper zum Beispiel, oder das Theater oder das Museum oder die Schule. Oder eben die Kirche. Wenn Sie die im Dorf lassen wollen, können Sie sich am Sonntag ab 11 Uhr 30 im Forum der DG Bank am Pariser Platz einen sichern, einen Platz, meine ich, um auf das kirchenkulturelle High Noon mit Kardinal Sterzinsky und Maria Jepsen zu warten.

Pfingsten, das liebliche Fest, ist noch nicht gekommen. Also dauert es auch noch eine Weile bis zum "Wäldchestag". Was soll das denn sein? Für die Nicht-Mainfrankfurter unter den Berlinern: So heißt in Frankfurt der Pfingstdienstag, ein Feiertag, an dem die Leute früher im Stadtwald spazieren gingen. Was sie heute machen, weiß ich nicht mehr, dafür bin ich schon zu lange entmaint und viel zu berlinisiert. Man könnte sich da aber bei Andreas Maier kundig machen, der einen Roman mit dem Titel "Wäldchestag" geschrieben hat, durchgängig im Konjunktiv, was nun wirklich beachtlich sei, noch dazu für einen jungen Menschen Anfang Dreißig. Jedenfalls mache diese Geschichte, die humorvoll erzählt werde, ganz schön Furore. Sogar der "Spiegel" habe. Und die "Zeit" auch. Es gehe um Mutmaßungen über Adomeit, so heiße der Held der Geschichte. Möglicherweise wäre heute um 20 Uhr im Literarischen Colloquium mehr darüber zu erfahren.

Kleine Preisfrage zwischendurch: Wer wäre am Freitag 70 Jahre alt geworden? Zweite Preisfrage: Wer ist Abilio Estévez? Wissen Sie auch nicht? "Dein ist das Reich" heißt der Roman des 1954 geborenen Kubaners. Der Roman hat im letzten Frühjahr in Frankreich den "Preis für das beste ausländische Buch" bekommen, und die deutsche Übersetzerin Susanne Lange wurde für ihre Arbeit mit dem Übersetzerpreis der Stadt München ausgezeichnet. Abilio Estévez kann man heute um 20 Uhr auf einer spanisch-deutschen Veranstaltung in der Buchhandlung Prinz Eisenherz (Bleibtreustraße 52) kennen lernen.

Können Sie sich erinnern, womit der Regenschirm auf dem Seziertisch surrealistisch kopuliert? Es will mir partout nicht einfallen. Aber schon bin ich trotzdem da, wo ich hin will: "Wie ein Sofa mit einer Guillotine Bücher macht". Das passiert heute um 20 Uhr in der Literaturwerkstatt. Blixa Bargeld, Thomas Brasch, Ivan Stanev treffen auf Hartmut Fischer von "Juliettes Literatursalon", der mit den genannten Künstlern Bücher macht. Wer ist dabei das Sofa und wer die Guillotine?

Jetzt noch der "Schmock der Woche" (www.henryk-broder.de). Henryk M. Broder ist eine schreibende Kampfmaschine. Mit bewundernswerter Ausdauer und phänomenaler Verhöhnungspotenz stürzt er sich immer wieder auf den common sense. Unter "Schmock der Woche" lässt sich auf seiner Homepage eine hübsche Reihe kunstvoller Invektiven auf den Bildschirm klicken. Zum Beispiel über "Das Haus des Unfugs". Broder erklärt dort, warum er die "angejahrten Tittenfotos" von Helmut Newton geiler findet als die "schräge Symbolik" von Libeskinds Jüdischem Museum. Das klingt alles eher grob, und ist es auch. Aber auf grobe Klötze gehören grobe Keile.

Und da fällt mir gerade noch rechtzeitig vor Toresschluss der andere grobe Klotz ein, der, der seinen siebzigsten Geburtstag gefeiert hätte: Thomas Bernhard.

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