Kultur : Baby-Klassik

Konzerte für Kleinkinder an der Deutschen Oper.

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Auf den ersten Blick eine verrückte Idee: klassische Konzerte für 1- bis 2-Jährige? Doch was sich Katharina Mohr, die neue Leiterin der Kinder- und Jugendarbeit der Deutschen Oper, jetzt mit den „Babykonzerten“ ausgedacht hat, ist nicht so weit hergeholt, wie es klingt. Töne und rhythmisches Pulsieren erleben ja schon Ungeborene im Mutterleib mit allen Sinnen, warum sie also nicht so früh wie möglich mit Musik vertraut machen? Die Tischlerei: ausgelegt mit roten Kissen für rund 20 junge Eltern und Kinder. Georg Roither und Florian Heidenreich vom Orchester des Hauses spielen Cello und Kontrabass – zwei tiefe Streicher, das grummelt und beruhigt, das geht direkt in den Bauch und wummert da schön weiter. Gleich am Anfang heben sich die kleinen Köpfe, für einen Augenblick gehört den Musikern tatsächlich alle Aufmerksamkeit: Was brummt denn da? Doch Papas Rücken ist mindestens genauso interessant, und da ist ja eine Treppe, die muss natürlich erklommen werden.

Ein Mädchen, übers Krabbeln hinaus, geht gleich mal auf Exkursion, im Schlepptau zwei weitere Kinder. Die Musik – ein Duo für Cello und Kontrabass von Rossini, eine Sonate des Beethoven-Zeitgenossen Bernhard Romberg und die beiden berühmtesten „Zauberflöten“-Arien „Dies Bildnis ist bezaubernd schön“ und „Der Hölle Rachen“ – läuft da eher im Hintergrund ab, begleitet von viel Brabbeln, Glucksen, Kichern, Lachen. Aber das macht gar nichts, es geht ums Erkunden, Rausfinden, Entdecken, und die Kinder lernen, während sie spielen, trotzdem neue Klänge kennen. Nach einer babyfreundlichen halben Stunde ist alles vorbei. Prognose: Diese Konzerte werden ein Renner. Im Februar sollen sie schon ausverkauft sein. Udo Badelt

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