Babyshambles in Berlin : Laut, grob, gut: Die Babyshambles im Huxley’s

Erstaunlich pünklich und wunderbar rumpelig: Pete Doherty gibt mit seinen Babyshambles in Berlin ein starkes Konzert, das allerdings in der zweiten Hälfte etwas zerfasert.

H. P. Daniels
Babyshambles-Chef Pete Doherty in Berlin. Foto: snapshot-photography
Babyshambles-Chef Pete Doherty in Berlin.Foto: snapshot-photography

Um halb zehn wird das geduldige Publikum im gestopft vollen, ausverkauften Huxley’s ungeduldig. Zu oft schon hat Pete Doherty, der etwas unstete Frontmann der Babyshambles, Konzerte abgesagt, Flüge verpasst, den Pass verloren, oder er war einfach unpässlich. Doch dann sind die Babyshambles da, fast beiläufig reingeplatzt in die Saalmusik, wo eben noch Hank Williams sang: „I’m a rolling stone, all alone and lost, for a life of sin, I have paid the cost.“ Passend, denn für diverse Vergehen – etwa ein im Suff demoliertes Auto in Berlin – zahlt Doherty seine Raten immer noch ab.

Es geht los mit „Delivery“. Das ist ein feiner Song mit knackigen Kinks-Riffs aus der Telecaster von Mick Whitnall und Dohertys alter Vintage-Epiphone-Gitarre. Rumpeliges Gerüpel, sehr laut, sehr grob. Sehr gut. „Nothing Comes To Nothing“. Alles kommt trefflich zusammen: Drew McConnells knatternder Bass, die wirbelig fliegenden Arme des ehemaligen Supergrass-Drummers Danny Goffey und ein Tastenspieler zur Verstärkung. Rasante Band. Zwischen ein paar Einsprengseln von den Alben „Down In Albion“ und „Shotter’s Nation“ spielen sie jede Menge Songs der abwechslungsreichen dritten und jüngsten Platte „Sequel To The Prequel“.

„Fall From Grace“ leiht sich Dylans „I Want You“-Thema und glänzt mit Piano-Getinkel und einer von Whitnall exquisit gespielten Country-Gitarre mit Pedal-Steel-Klang. Als Höhepunkt des Konzerts ragt die traumhafte Ballade „Farmer’s Daughter“ heraus mit schweren steinigen Riffs, Dohertys famos grobschotterigem Gesang und exquisiter Dynamik. Wie später auch das betörende, an den Kinks geschulte „Maybelline“. Nach einem Dutzend Songs – Ska, Punk, Reggae, Rock ’n’ Roll – scheint Dohertys Konzentration auszusetzen, die Straffheit zerfasert. Nach einer Stunde und „Pipedown“ schmeißt er das Mikro weit in den Saal. Großer Wurf und alle ab.

Eher still und ohne Getöse warten die Fans eine geschlagene Viertelstunde auf die Zugaben: „Stone Me“ und „Fuck Forever“, der große Hit vom ersten Album. Und noch einmal biegt Doherty den Oberkörper im Ringelhemd katzbuckelig mit dem Kopf zum Boden, lässt die wirren Haare nach unten hängen, und verharrt dort, als würde er etwas suchen. Er knallt das Mikro auf die Becken des Drummers und rhythmisch an seinen eigenen Hinterkopf. Dort klingt es merkwürdig hohl – bevor er’s in hohem Bogen nach oben in die Lichttraverse wirft. Bizarr.

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