Kultur : Bach-Tage: Tod auf Raten

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Das erste Opfer von Christoph Stölzls Sparkurs steht fest: Termingerecht zum Bachjubiläum bekamen die Berliner Bach-Tage einen blauen Brief des Kultursenators ins Haus, in dem das traditionsreiche Westberliner Festival aufgefordert wird, "unverzüglich die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um eine reibungslose Abwicklung aller in Bezug auf die Bach Tage Berlin anstehenden künstlerischen wie geschäftlichen Aktivitäten zu gewährleisten." Geschäftsführerin Marianne Arnold sieht kaum Hoffnung, dass der Abwicklungsbefehl rückgängig gemacht wird, auch wenn die Kulturbehörde ihr ein Gespräch für Mitte September zugesagt hat. Ein Tod auf Raten: Seit der Senat die Fördermittel im Jahr 1995 halbiert hatte, können die Bach-Tage ohnehin nur noch im zweijährigem Turnus stattfinden, auch das Bach-Jahr 2000 fand ohne Berliner Bach-Festival statt. Seit ihrer Gründung 1970 waren die Bach-Tage das wichtigste Forum in Berlin, auf dem sich die international führenden Ensembles der Alten Musik präsentieren konnten, Musiker wie John Eliot Gardiner und Philippe Herreweghe hatten hier ihre ersten Berliner Auftritte. "Nach der Abschaffung der Barocksparte an der Lindenoper ist das der zweite schwere Schlag für die Alte Musik-Szene Berlins", kommentiert Arnold.

Unklar bleibt, welche Auswirkungen der Abwicklungsbefehl auf den Bundeswettbewerb Gesang haben wird, der organisatorisch mit dem Büro der Bach-Tage zusammengeschlossen ist. Stölzls Staatssekretär Hans-Martin Hinz habe ihr in einem Schreiben zwar zugesichert, den Wettbewerb "weiterhin inhaltlich zu unterstützen", jedoch keine Aussage darüber gemacht, ob der Senat weiterhin die Geschäftsstelle mitfinanzieren wird. Arnold: "Mit dem Wettbewerb würde das wichtigste Forum für den deutschen Sängernachwuchs verloren gehen. Das wäre ein unersetzlicher Verlust für alle Deutschen Bühnen."

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