Kultur : Backstreet Boys

Diese Woche auf Platz 24 mit: „Never Gone“

Ralph Geisenhanslüke

Natürlich waren sie niemals weg. Fünf Jahre sind eine lang Zeit – aber nicht in den Herzen von echten Fans. Über 60000 Einträge finden sich im Forum ihrer deutschen Netzseite, das Ende Mai eröffnet wurde. Nick, Howie, Brian, Kevin und AJ zählen zur zweiten Generation von Boygroups. Als sie begannen, hatten Take That sich gerade aufgelöst und eine schmerzliche Lücke im Gefühlshaushalt ihrer Zielgruppe hinterlassen. Die Backstreet Boys waren noch klarer auf die Bedürfnisse 13- bis 16-jähriger Mädchen zugeschnitten: Plüschtiere mit Waschbrettbauch. Damals begann man sich zu fragen: Wo steht das Labor, in dem solche Wesen geklont werden?

Das Labor steht in Orlando/Florida. Betrieben wird es von Lou Pearlman, einem hemdsärmeligen Geschäftsmann, der sein erstes Vermögen mit einer Fluggesellschaft machte, die ihre Jets an Popstars vermietete. Eines Tages hatte er New Kids On The Block an Bord und war erstaunt, wie gut man mit industriell gefertigten Teenie-Träumen verdienen kann. Pearlman erweiterte sein Imperium um eine Musikabteilung. Aus dieser „Bubblegum Machine“ (Time) kommen die Backstreet Boys, N’Sync, LFO, O-Town, Natural und viele, deren Namen wir noch nicht kennen.

„So lange es Mädchen gibt, wird es Boygroups geben“, sagt Pearlman. Er ist keineswegs der liebe Onkel, der all die ssssupersüßen Talente selbstlos fördert. In seiner Business-Bibel „Bands, Brands and Billions“ gibt er unumwunden zu, dass er den Löwenanteil der Einnahmen beansprucht. „Wenn du 10 bis 20 Millionen Dollar verdienst und ich 20 bis 50 Millionen, ist es immer noch ein gutes Geschäft für Dich“. Die Backstreet Boys trafen sich vor einiger Zeit mit Mr. Pearlman vor Gericht. Man einigte sich gütlich. Und wenn Nick, Howie, Brian, Kevin und AJ nun in ihrer streichersatten Schnulze klagen, wie „Incomplete“ sie sich fühlen, dann ist wenigstens sicher: Für ihr Konto gilt das nicht.

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