Kultur : Bäh, Bäh! - Comedy

Moritz Schuller

"Wir lümmeln Gisela", schreit das Publikum aus voller Kraft. Gisela ist dick und unattraktiv und weil sie bei Tom Gerhardts neuer Show in der ersten Reihe sitzt, ist sie das Hauptopfer des Abends. Der Komiker steht bei allen, die ihre Haare blondieren, seit seinem Film "Ballermann 6" für ordinäre Qualität. An diesem Abend waren sie alle in den Konzertsaal der HdK gekommen, um Gerhardts neueste Fäkalfantasien mitzuerleben. Und in der Tat, ob als Jesus verkleidet, als schwangere Frau oder Disko-Türsteher aus dem Rheinland, Gerhardt bot auschließlich Periodenblut und Pimmelglück. Dazwischen Zoten über Schwule, Frauen über 40 ("Zuhause ne Migräne, draußen ne Hyäne") und drei halbnackte kubanische Tänzerinnen. So klagt Gerhardt als Vaginalfrucht mit roten Schamlippen dem Publikum sein Leid: "Vor lauter Sprechen habe ich schon ganz trockene Lippen". Großes Gelächter und eine ältere Frau aus der 12. Reihe ruft "Ausziehen!". Nach knapp zwei Stunden Po und Klo tritt dann das letzte Drittel der deutschen Seele auf die Bühne: Hitler, hier als halber Hund. Oben Schnäuzer, unten Dackel, droht er allen Katzen den Endsieg an: "Heil, Dackel!". Großer Applaus, alles klatscht. Auch Gisela.

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