Bären-Gala : Freude, schönes Bärenfunkeln

Die Berlinale-Bären sind verteilt - mancher Preisträger konnte sich bei der Gala vor Glück kaum fassen und hörte gar nicht mehr auf zu reden. Nach der Zeremonie feierten die Geehrten im Borchardt weiter-

 Andreas Conrad
Berlinale
Happy hour. Birgit Minichmayr erhielt aus der Hand von Jurymitglied Christoph Schlingensief den Silbernen Bären für ihre...Foto: ddp

Dieser Herr Putin ist doch ein zuvorkommender Mann. Hat zwei Deutsche zu Gast, bietet ihnen etwas zu trinken an und fragt, als sie Mineralwasser erbitten, ganz freundlich: „Mit Gas oder ohne?“

Ja, der ist gut, den hat Dieter Kosslick bei der russischen Delegation aufgeschnappt, behauptete er jedenfalls am Samstagabend, als er die Schlussgala seiner Festspiele im Berlinale-Palast eröffnete. So ein Witz zum Einstieg muntert doch immer auf, stimmt prophylaktisch versöhnlich mit eventuellen Pannen, Durststrecken oder sonstigen Unwägbarkeiten auf dem Weg durch den Abend.

Mit Gas oder ohne, das umschrieb zugleich das Strukturprinzip dieser knapp anderthalb Stunden Siegerehrung mit Bärenglanz. Mal zuviel Gasbläschen, mal fast gar keine – die 1600 Gäste im Saal wurden einem wahren Wechselbad heterogener Gefühle, Bilder, Szenen, Auftritte ausgesetzt, mit rekordverdächtigen Extremen. Kürzeste Danksagung des Abends? Die dürfte, inklusive eines „God bless you“, Schauspieler Ben Foster abgegeben haben, stellvertretend für die abwesenden Drehbuchautoren von „The Messenger“. Nicht gestoppte, aber doch gefühlte Zeit: Kaum eine Minute. Gefahr, die Gala wäre zu schnell vorbei, bestand dennoch nicht, Sotigui Kouyate aus Mali, Hauptdarsteller in „London River“, redete gleich eine knappe Viertelstunde. Das Wohlwollen des Publikums war ihm dennoch sicher, metaphernreiche Lobpreisungen der Berlinale als Institution des Kulturaustauschs kommen in diesem Rahmen gut an, auch Sinnsprüche wie „Wenn man immer zu ernst ist, ist man nicht ernst“. Und selbst als der Schauspieler, schon gebrechlich und sitzend, noch drei märchenhafte Geschichten darzubieten anhob, blieben die Zuhörer geduldig.

Geht der eine Trend zur Langrede, so der andere zu mehr Personal auf der Bühne, beim peruanischen Siegerfilm „La teta asustada“ sogar zehn Beteiligte, von denen aber nur vier das Wort ergriffen, und von denen wiederum stimmte nur Schauspielerin Magaly Solier ein Lied ihrer Heimat an. So gab es doch noch eine musikalische Live-Darbietung an diesem Abend, dessen traditioneller Showteil, im Vorjahr mit dem trompetenden Till Brönner, wie schon bei der Eröffnungsgala gestrichen worden war.

Gegen 18.15 Uhr hatte der Einmarsch der prominenten und weniger Prominenten begonnen. Mancher, der in den vergangenen zehn Tagen über den roten Teppich geschlendert war, gab für dieses Festival seine Abschiedsvorstellung, Detlev Buck etwa, Karoline Herfurth, Maria Schrader, Hannelore Elsner, Wim und Donata Wenders, Bettina Zimmermann, schließlich Costa-Gavras, Regisseur des Abschlussfilms „Eden à l’Ouest“, mit Juliane Köhler und Riccardo Scamarcio. Und auch Jeanette Hain war wieder da und ließ ihr Abendkleid wirbeln wie bei der Eröffnung. Diesmal ein risikofreies Modell, zwar schulterfrei, aber die darunterliegenden Körperpartien blicksicher verborgen, ohne Gefahr, sie mehr oder weniger ungewollt zu enthüllen.

Jede Menge Danksagungen, an das Team, an Dieter Kosslick, die Jury oder gar die Eltern, gab es im Verlaufe des Abends auch noch, ebenso Tränen, fast jedenfalls, nicht in breiten Strömen, aber so in den Augenwinkeln sich sammelnd, während die Stimme des danksagenden Preisträgers besorgniserregend zitterte. Besonders das Team von „Alle Anderen“ schien dafür anfällig, erst kippelte Schauspielerin Birgit Minichmayr die Stimme, dann Regisseurin Maren Ade, die sich kaum zu fassen wusste: „Ich bin sehr glücklich, auch wenn ich nicht so wirken.“ Aber geglaubt haben es ihr alle.

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