Kultur : Bärte hängen ins Alsterwasser

FILM

Lena Gr,huber

Das älteste Gewerbe der Welt ist in Gefahr: die Zuhälterei. Ihr Schicksal ist Thema der Hamburger Kiez-Klamotte Der letzte Lude von Stephen Manuel (in sechs Berliner Kinos). Das Geschäft mit dem Sex hat die albanische Mafia übernommen, und die ausgedienten Luden hängen frustriert ihre Schnurrbärte ins Alsterwasser. Nur der tumbe Stullenandi (Hamburgs Szenegröße Lotto King Karl) gibt die Hoffnung auf eine gesicherte Existenz als freianschaffender Zuhälter nicht auf, derweil er sich mit dem Verkauf von belegten Broten an die „Bückstücke“ von der Reeperbahn durchschlägt. Gerade er wird ausersehen, die schöne Freundin (Alexandra Neldel) des albanischen Clanchefs zu hüten, die abhauen will. Komplettiert wird das Trio von Soapstar Timo, der kein Talent hat, dafür aber von Tobias Schenke sehr authentisch verkörpert wird.

Unterdessen reißt das Feuerwerk pubertärer Schenkelklopfer nicht ab: Eine Schlange namens Kaa wird geschreddert, das Bordell „Fuck World“ von einem Furz gesprengt, es spritzt die Mayonnaise, es fliegen die schlüpfrigen Scherze und Gürkchen und Würstchen wetteifern noch um die phallische Definitionshoheit, als das Böse von einem geflügelten Riesenpenis in Gold erschlagen wird. Nachdem auch Stullenandi endlich auf den rettenden Zahlencode gekommen ist – na klar: 0190 – wird die Verzweiflung übermächtig, denn eine lange gehegte Vermutung bestätigt sich: Wenn Andi nicht so doof wäre, könnte der Film schon längst vorbei sein. Bevor endlich Schluss ist, noch drei Dinge: Sahnetorten sind zum Essen da, vorgetäuschte Orgasmen überlässt man besser Meg Ryan und kompletter Blödsinn ist kein Slapstick.

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