Baldin-Sammlung : Wem gehört die "Beutekunst"?

Im Streit um die Rückgabe der seit dem Zweiten Weltkrieg in Moskau aufbewahrten Baldin-Sammlung wollen Deutschland und Russland im Herbst weiter verhandeln.

MoskauIm Streit um die Rückgabe der seit dem Zweiten Weltkrieg in Moskau aufbewahrten Baldin-Sammlung wollen Deutschland und Russland im Herbst weiter verhandeln. Darauf hätten sich die Mitglieder der Arbeitsgruppe beider Länder geeinigt, sagte der Vorsitzende der Restauratorenvereinigung Russlands, Sawwa Jamschikow. Zugleich gab es von russischer Seite erneut heftigen Widerstand gegen die Rückgabe der mehr als 360 Kunstwerke aus Bremen, die der russische Offizier Viktor Baldin 1945 nach Moskau gebracht hatte. "Wir werden sie nicht für 30 Millionen Euro und nicht für eine Milliarde hergeben", sagte der kommunistische Politiker und letzte sowjetische Kulturminister Nikolai Gubenko.

Gubenko reagierte damit auf einen Vorschlag des Bremer Kunstvereins, zwei Millionen Euro als Kompensation für die jahrelange Pflege der Sammlung zu zahlen. Die Deutschen müssten endlich einsehen, dass die von der Sowjetarmee beschlagnahmten Kunstschätze Teil der Wiedergutmachung für die auf russischer Seite erlittenen Kriegsverluste seien, sagte Gubenko.

Merkel und Putin sollen Konflikt lösen

Die deutsche Regierung solle daher das umstrittene "Beutekunst"-Gesetz Russlands anerkennen, nach dem im Widerspruch zu internationalen Konventionen auch Kulturgüter als Wiedergutmachung einbehalten werden dürfen. Gubenko forderte zudem eine Auflistung der von den Nazis im Krieg verschleppten Kunstschätze.

Dagegen ließ Russlands Chefrestaurator Jamschikow, der Mitglied in der Arbeitsgruppe ist, Bereitschaft erkennen, für eine Summe von 30 Millionen Euro die Kunstschätze zurückzugeben. Die Rückkehr der "Baldin"-Sammlung in die Kunsthalle Bremen schien bereits 2003 einmal in greifbarer Nähe, das russische Parlament verhinderte das allerdings. Der Historiker und frühere Sowjetbotschafter in der Bundesrepublik, Valentin Falin, sagte, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Präsident Wladimir Putin müssten den Streit auf höchster Ebene lösen.

Einigung dementeirt

Merkel und Putin kommen Mitte Oktober in Wiesbaden zu Regierungskonsulationen zusammen. Im Herbst will auch die Arbeitsgruppe wieder tagen. Im Raum steht noch ein Angebot von deutscher Seite, sich am Wiederaufbau von im Krieg zerstörten Kulturdenkmälern in den Städten Nowgorod und Pskow zu beteiligen. In der vergangenen Woche hatte Russlands Kulturminister Alexander Sokolow Medienberichte dementiert, die Arbeitsgruppe habe sich in dem Streit um die 362 Zeichnungen "Baldin-Sammlung" bereits geeinigt. (mit dpa)

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