Kultur : Baldins Beute

Um die Rückkehr der Sammlung nach Bremen wird weiter gerungen

Elke Windisch

Kommen sie zurück oder kommen sie nicht? 364 Zeichnungen und Aquarelle umfasst die als Baldin-Sammlung bekannte Kollektion, die bis zum Zweiten Weltkrieg in der Bremer Kunsthalle hing und die ein Hauptmann der Roten Armee als persönliche Kriegsbeute in die Sowjetunion brachte. Nachdem Russlands Kulturminister Michail Schwydkoj gegenüber seiner deutschen Kollegin Christina Weiss die schon 1993 zwischen Bremer Senat und dem russischen Parlament vereinbarte Rückgabe der Sammlung zu Jahresbeginn nochmals öffentlich bestätigte, ist die Restitution inzwischen wieder völlig offen. Eine für den 29. März geplante Ausstellung der Sammlung in Bremen kann die Kunsthalle inzwischen vergessen. Per einstweiliger Verfügung stoppte Jurij Birkukow, immerhin die Nummer Zwei in der russischen Staatsanwaltschaft, am vergangenen Montag die Rückgabe.

Verursacht hat den Ärger der Vorsitzende des Kulturausschusses der Duma, Nikolaj Gubenko, seinerzeit Kulturminister der untergehenden Sowjetunion und den Film- und Theaterregisseuren durch exzessiven Gebrauch von Schere und Rotstift noch in bösester Erinnerung. Hiesige Medien sprechen daher auch von einem ganz persönlichen Rachefeldzug Gubenkos gegen Schwydkoj, der damals Vorsitzender des aufsässigen Verbandes der Theaterschaffenden war.

Als Gubenko, einer der übelsten Hardliner im Dauerhickhack um die Beutekunst, von der geplanten Rückgabe der Baldin-Sammlung erfuhr, sammelte er flugs die Unterschriften von 347 der insgesamt 450 Duma-Abgeordneten für eine Petition an Präsident Putin, um das „schamlose Verbrechen“ zu stoppen. Putin schaltete daraufhin die Staatsanwaltschaft ein.

Die Stempel auf den Werken, so die erste Begründung des Rückgabeverbotes, würden, wie auch die aus Bremen beigebrachten Dokumente, lediglich beweisen, dass die Zeichnungen dort aufbewahrt und ausgestellt wurden, nicht aber ihre Eigentümerschaft. Wenn überhaupt, so der ehemalige Oberzensor, dann käme nicht die Rückgabe, sondern nur eine Übergabe als Geste guten Willens in Frage, auf die Deutschland seinerseits mit einer Geste guten Willens reagieren müsse: Schließlich, so Gubenko wörtlich, „sind die im Sommer 1941 nicht zum Pilzesammeln zu uns gekommen“.

Inzwischen ist in Russland die Rede davon, dass 20 Blätter der Sammlung, darunter auch ein Dürer, auf Dauer in der Eremitage verbleiben sollen – als Geschenk der Bremer Kunsthalle. Der Eremitage-Direktor Michail Petrowskij, so Schwydkoj in dem Moskauer Sender „Echo Moskaus“, habe die Blätter schon vor einem Jahr ausgewählt. Die Rückkehr der Blätter nach St. Petersburg nach einer Auftakt-Ausstellung in Bremen sei Anfang Februar protokollarisch zwischen Christina Weiss und ihm vereinbart worden. Ein entsprechendes Abkommen zwischen der Eremitage und Bremen sei längst unterzeichnet.

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