Kultur : Balkan-Blues: Das Festival Spielzeit Europa

Patrick Wildermann

Der Regisseur Dimiter Gotscheff ist kein Freund großer Worte. Auf die Frage, wovon das Stück „Das Pulverfass“ des mazedonischen Autors Dejan Dukovski handle, das Gotscheff zur Eröffnung der Berliner „Spielzeit Europa“ auf die Bühne bringt, sagt der Bulgare in seiner unnachahmlichen Knarzigkeit: „Von Äpfeln, Müttern und Kindern, die sich umbringen.“ Man darf einen Ausschnitt davon sehen, bei der Pressekonferenz zur Programmpräsentation der „Spielzeit“ im Haus der Berliner Festspiele. Keine Fragte, es wird spannend, wie der Regisseur der BalkanBallade heute begegnet, nachdem er sie vor acht Jahren bereits mit anderer Besetzung in Graz aufgeführt hat. Diesmal sind Margit Bendokat, Birgit Minichmayr, Wolfram Koch und Samuel Finzi dabei. Vom „geilsten Ensemble, das Berlin zur Zeit zu bieten hat“, schwärmt Finzi.

„Das Ende - ein Anfang“ hat die künstlerische Leiterin Brigitte Fürle ihr Programm getauft, es geht um Untergangsszenarien, nicht nur auf dem Balkan. Intendant Joachim Sartorius freut sich, dass die „Spielzeit Europa“ sich vom Gastspielbetrieb zum Produzenten gewandelt habe. In Kooperation mit der „Spielzeit“ ist Andrea Breths fünfstündige Dostojewski-Monumentalinszenierung „Verbrechen und Strafe“ entstanden, ebenfalls aus Wien kommt Luc Bondys „King Lear“ mit Gert Voss. Außerdem sind neue Arbeiten von Heiner Goebbels („I Went To The House But Did Not Enter“) sowie vom Regieduo Thorsten Lensing und Jan Hein („Der Lauf zum Meer“ nach William Carlos Williams) zu sehen. Das Tanztheater wird durch William Forsythe und dem Iren Michael Keegan-Dolan repräsentiert, ferner mit dem Stück „Sutra“, einer Kampfkunst-Choreografie der Shaolin-Mönche.Patrick Wildermann

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