Bamberger Kunst- und Antiquitätenwochen : Himmlische Hänge

In unserer Sommerserie stellen wir die schönste Kunst-Ziele in Deutschland vor. Teil 2: Bamberg, ein Mekka für Antiquitätensammler. Und die Stadt wirkt mit an der perfekten Kulisse.

Susanne Lux
1864 malte Christian Eduard Böttcher (1818–1889) „Die Einkehr“. Der Bamberger Kunsthändler Gregor Freiherr von Seckendorff bietet sie nun zum Verkauf an. Foto: Von Seckendorff
1864 malte Christian Eduard Böttcher (1818–1889) „Die Einkehr“. Der Bamberger Kunsthändler Gregor Freiherr von Seckendorff bietet...Foto: Von Seckendorff

Alle schauen nach Berlin – wir meistens auch. Dabei finden sich abseits der Metropole viele sehenswerte Ausstellungen und Kunstprojekte. Manche davon stehen als Solitäre für sich, andere krempeln das Bild einer ganzen Stadt um. In unserer Sommerserie stellen wir lohnenswerte Ziele in Deutschland vor.

Für Kunstfreunde lohnt eine Reise nach Bamberg immer. Fast fünfzig Kirchen, eine wunderbare Mischung aus mittelalterlicher und barocker Architektur, ein Rathaus im Wasser – und alles auf sieben Hügeln. Doch die fränkische Kaiserstadt macht nicht nur ihrem Status als Weltkulturerbe alle Ehre. „Das ist eine Stadt, die steckt voll Raritäten, wie die Commode meiner alten Großmama, die viel zusammenscharrte“, notierte der Schriftsteller Karl Immermann in seinen Reiseaufzeichnungen von 1837. Eine Beobachtung, die sich bestätigt, wenn man in die vielen Antiquitätengeschäfte unterhalb des Dombergs blickt.

Dass der Handel mit den antiken Preziosen gerade in der kleinen Stadt in Oberfranken so floriert, geht auf die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg zurück. In Bamberg waren damals Amerikaner stationiert. Sie zählten zu den wenigen in Deutschland, die sich die Kostbarkeiten überhaupt leisten konnten. Historische Objekte wie diese waren in der Heimat nicht zu bekommen, daher versuchten sie, möglichst viel davon mit nach Hause zu bringen. Ausgesprochen gefragt waren alte Uhren. Und weil die Geschäfte so gut liefen, gesellten sich immer mehr Kunsthändler zu den Kollegen und eröffneten ihren Kunsthandel.

Während der Festspielzeit rollen Busse von Interessierten an

Fokussiert geht es in den kommenden Wochen zu. Bis Mitte August veranstalten die ansässigen Händler ihre Kunst- und Antiquitätenwochen – und präsentieren außergewöhnliche Objekte in ihren Geschäften. Im Sommer wird Bamberg deshalb zuverlässig von europäischen Sammlern bereist. Aus dem benachbarten Bayreuth, wo just die Festspiele stattfinden, rollen Busse von Interessierten an, um die Antiquitäten zu begutachten. Einmalig ist bis heute die Zusammenarbeit der wichtigsten zwölf Akteure – das „Bamberger Modell“, wie der Wiener Kunsthändler Patrick Kovacs den Zusammenhalt nennt: Wird ein Kunde nicht fündig, so empfiehlt man ihm einen Kollegen, der das gesuchte Bild oder antike Möbel im Angebot haben könnte.

Anlässlich der Kunstwochen findet ein breites Programm auf dem Domberg statt. Eine von vielen Touren widmet sich den Textilien des Kaiserpaares Heinrich und Kunigunde. Der blaue Sternenmantel des Kaisers im Diözesanmuseum zeigt das Weltbild des elften Jahrhunderts. Im Dom selbst sind das Riemenschneider-Grabmal für Heinrich und Kunigunde, der Veit-Stoß-Altar und der berühmte Bamberger Reiter zu bewundern, von dem man bis heute rätselt, wen er darstellen soll.

Schöne Skulpturen beim Kunsthändler Walter Senger

Skulpturen haben es den Bambergern generell angetan. Die schönsten sind beim Kunsthändler Walter Senger im gotischen Gewölbekeller aufgestellt. Darunter ist diesmal eine Heilige Barbara mit feinen Gesichtszügen. Die in Lindenholz geschnitzte Arbeit aus Schwaben, um 1480 entstanden, ist noch in der originalen Fassung erhalten. Bei dem Traditionsgeschäft, das auch Kunsthandwerk des 17. und 18. Jahrhunderts und Gemälde im Angebot hat, handelt es sich um einen fränkischen Familienbetrieb mit fast einem halben Jahrhundert Geschichte. Als 25-Jähriger gründete Senger seinen Handel als Einzelkämpfer, später stiegen Schwiegersohn Thomas Herzog und Tochter Simone Senger-Kundmüller mit ein. Und immer öfter hält mit Alfons Walde und Co. auch die Moderne Einzug in die Geschäfte, die mittlerweile von einem auf drei Adressen angewachsen sind.

Nur das Haus Wenzel ist noch älter. Matthias Wenzel übernahm das Geschäft von seinem Vater, der es vor rund sechs Jahrzehnten in einem Adelspalais aus dem 15. Jahrhundert eröffnete. Seit 1977 befindet sich die Kunsthandlung im Barockpalais Freyhaus und bietet Möbel des 17. bis 19. Jahrhunderts, gotische Skulpturen und Gemälde alter Meister.

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