Bar jeder Vernunft: Muttis Kinder : Schubidu mit Schabernack

Lieder zerlegen: Das Berliner A-cappella-Trio Muttis Kinder und ihr "episches Programm" in der Bar jeder Vernunft.

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Ist das nun gaga oder Dada? Christopher Nell, Claudia Graue und Marcus Melzwig (v. l.) sind Muttis Kinder.
Ist das nun gaga oder Dada? Christopher Nell, Claudia Graue und Marcus Melzwig (v. l.) sind Muttis Kinder.Foto: Xamas

So ist es gut: Nach der Pause legen Muttis Kinder eine Schippe drauf, fügen Up-Tempo-Nummern ein, verbreitern das Klangspektrum und treiben noch mehr absurden Schabernack. Das kommt gerade rechtzeitig, glaubte man in der fast durchgehend balladesk gehaltenen ersten Hälfte des Premierenabends schon, dass es das A-cappella-Trio mit den lautmalerischen Anteilen ihres „epischen Pogramms“ doch etwas übertreibt. Das ist sowieso ein Titel, der bei einem Ensemble, dass Lieder in mehrstimmige Klangminiaturen zu zerlegen pflegt, rätselhaft klingt. Zumal das zweite, auf ein „r“ verzichtende Titelwort weder durch die Lieder, die Darbietung oder die Künstler erklärt wird. Legen wir es also in der Rubrik Gaga-Einfall ab.

Für Dada-Einfälle sind Muttis Kinder so bekannt wie für das Studiomikrofon, um das sie sich scharen, und die eine Wasserflasche, aus der sie alle trinken. Countertenor Christopher Nell, der sonst am Berliner Ensemble spielt, Mezzosopranistin Claudia Graue und Bariton Marcus Melzwig haben sich vor 15 Jahren beim Schauspielstudium an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock kennengelernt und beweisen seither, wie haltbar Studentenverbindungen sind. Ihr 2013 in der Bar jeder Vernunft uraufgeführtes Programm „Zeit zum Träumen“ war ein witziger wie bewegender Wurf.

Das Publikum quietscht erheitert

Im „epischen Programm“ zeigen sich die in Schwarzweiß gewandeten Thirtysomethings gesanglich staunenswert präzise und widmen sich mit „Irgendwann“ von Gerhard Schöne, „Singapur“ von Keimzeit und „Flucht nach oben“ von Sophie Hunger auch mal deutschsprachigen Popsongs. Melzwig ist als Rhythmussektion eine Bank, Nell und Graue ziselieren im Wechsel die Melodielinien. Darstellerisch hängen sie als unzertrennlicher, gelegentlich von mimischen Querelen erschütterter Haufen aufeinander. Ein beim Publikum erheiterte Quietscher auslösendes Element, das sich jedoch schnell abnutzt.

Das kann man vom tollen Dreh des Trios, mehrere Popsongs miteinander zu verschmelzen, nicht unbedingt sagen. Das „Dance-Medley“ aus Evergreens wie Grace Jones’ „Slave To The Rhythm“, Tina Turners „Private Dancer“ oder Abbas „Dancing Queen“ wird begeistert beklatscht. Wie es überhaupt erstaunlich ist, dass diese eigene Truppe so hartnäckige Anhänger hat. Mit der letzten Zugabe verneigen sich die Drei dann vor den großen Altvorderen der A-capella-Zunft – den Comedian Harmonists. Ganz ohne Jux singen sie dreistimmig „Irgendwo auf der Welt“ von Werner Richard Heymann. Ein inniger Moment.

Bar jeder Vernunft, bis 19. Februar

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