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Barbra Streisand in Berlin : Liebesschwüre mit Streicherbaiser

16.06.2013 18:00 Uhrvon
Zweieinhalb Stunden für 12 000. Barbra Streisand in der O2-World – hier noch ganz in Gold. Foto: Brita Pedersen/dpa Foto: dpaBild vergrößern
Zweieinhalb Stunden für 12 000. Barbra Streisand in der O2-World – hier noch ganz in Gold. Foto: Brita Pedersen/dpa - Foto: dpa

Hallo Ber-lean! Die amerikanische Diva Barbra Streisand beehrt mit ihren Liedern zum zweiten Mal die Stadt. In der O2-World liegen ihr 12000 zu Füßen.

Respekt, diese Menschen kleben wahrlich nicht an ihren Stühlen. Auch wenn sie im A-Block der 02-World 560 Euro für ihren schnöden Stapelsitz bezahlt haben. Sie stehen, bevor die Diva überhaupt da ist. Sie stehen nach jedem Song, den die Diva singt. Sie stehen und stehen. Sie wollen ihr Ticket nicht absitzen, sondern ablieben. Und haben sich dafür in Schale geworfen, sogar Abendkleider sind zu sehen.

12000 sind Samstagabend in die so gut wie ausverkaufte Arena gekommen, um Barbra Streisands zweites Konzert in Berlin zu erleben. Das erste, 2007 in der Waldbühne, war eine Sensation. Einmal, weil die in Brooklyn geborene Tochter österreichischer Juden bis dato kaum in Europa aufgetreten war.

Und weil es zu einem einzigen Triumphzug geriet. Unmöglich, so einen historischen Moment zu toppen.

Das versucht Barbra Streisand auch gar nicht. Als sie nach einer mit der Brooklyn Bridge beginnenden Dia-Show und der Orchester-Ouvertüre zu „Funny Girl“ in funkelnder Goldrobe die Bühne betritt, folgt dem Sentiment sofort Selbstironie. „Hallo Ber-lean!“, steht auf dem Teleprompter, der gut sichtbar an der Decke hängt. Sie freue sich, wieder hier zu sein, spricht auf Englisch weiter und flachst: „Ihr begrüßt mich ja, als hätte ich Eisbein und Sauerkraut erfunden!“

Barbra Streisand in der O2-World Foto: Britta Pedersen/dpaBilder
Barbra Streisand in der O2-World - Foto: Britta Pedersen/dpa

Dass ihre Stimme auch mit 71 immer noch zartschmelzend und kraftvoll, kurz traumschön ist, hat sie ein paar Minuten vorher mit dem Eingangssong „On A Clear Day“ aus dem gleichnamigen, von Vincente Minnelli 1970 verfilmten Musical bewiesen. Zwar fehlen die gläserne Höhe und das Monstervolumen der jungen Jahre, doch das raue Bonnie-Tyler-Timbre, das sich dafür eingestellt hat, steht ihr auch nicht schlecht.

Streisand wird nicht müde, ihre berühmte Nase und den legendären Silberblick auf fleißig projizierten Bühnenfotos und in weich gezeichneten Filmeinspielern ihrer mehr als 50 Jahre umfassenden Karrierejahre zu zeigen. Sie kontert schlagfertig die Liebesschwüre des Publikums und ähnelt in ihrer matronenhaften Huld immer mehr der kernigen jüdischen Mamme, die sie auch in ihrem jüngsten Kinofilm „Unterwegs mit Mum“ spielt. Vor allem liefert sie aber perfektes amerikanisches Old-School-Entertainment. Eine gut geölte Showmaschine, samtig eingeschlagen in Understatement.

Das 60-köpfige Orchester ist so in den Bühnenboden versenkt, dass man gerade noch die Köpfe ahnt. Die dunkle Bühne gehört ganz der Diva, die erst Gold, dann Schwarz und Rot trägt und neben den Ziergeländern, die die Laufstege begrenzen, nur von virtuos gesetzten Spots und Strahlern eingerahmt wird. Ihr Barhocker ist vorne am Bühnenrand platziert. Daneben steht das von einer Assistentin erst mit einem weißen, nach der Pause mit einem roten Rosenstrauß und dem obligatorischen Teeservice eingedeckte Tischchen. Erstaunlich, wie sie es damit fertigbringt, in einer Mehrzweckarena die Illusion eines Clubkonzerts zu erzeugen. So „Nice And Easy“ wie der gleichnamige Song. Ihren Freund, den jede vermeintliche Spontaneität negierenden Teleprompter, erklärt sie gleich im ersten Drittel mit einer alten Geschichte zu ihrem Rettungsanker.

27 Jahre habe sie sich angeblich nach einem Textaussetzer bei ihrem Konzert im Central Park 1968 nicht live vors große Publikum getraut. Erst dieses Gerät ermöglicht ihr das wieder. Der Auftritt in Berlin ist tatsächlich erst der 98. der mit zehn Grammys dekorierten Sängerin, die auch als Schauspielerin alle denkbaren Trophäen gewann, und nach Elvis und vor den Beatles Platz zwei der erfolgreichsten Künstler der Musikgeschichte belegt.

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