Kultur : Barbusige Meerjungfrauen

PERFORMANCE

Franziska Richter

Hätte man das doch vorher gewusst: Unten, neben der Bar in der Staatsbank Berlin lagen Matratzen noch und nöcher, alle frei und mit Blick auf Fernseher, die die Performance des oberen Stockwerks übertrugen. Wieviel gemütlicher wäre der Abend geworden! Ganz abgesehen vom puren Stereogenuss der Wagner’schen Musik! So musste man einer erzwungen-innovativen und obendrein einfallslosen Rheingold-Interpretation folgen (und zweieinhalb Stunden darauf warten, dass etwas passiert). Das ehrgeizige Projekt von Berthold Schneider (Regie) und Veronika Witte (Installation) will an zehn aufeinander folgenden Abenden den „Ring der Nibelungen“ als „Abenteuer in Stereo“ erlebbar machen (noch bis 19.9., 20 Uhr). Dazu versammeln sich die Zuhörer – in Retro-Plastiksesseln, auf Kissen oder stehend – auf der von Säulen gerahmten Plattform, in deren Mitte goldverpackte Bonbons in einem Rechteck angehäuft sind: das heiß begehrte Rheingold. Man befindet sich also im Rhein, mit Gummiboot und Aquarium. Eigentliche Bühne ist ein Puppentheater-Modell des Aufführungsraumes, hinter dem eine Leinwand das zeigt, was im Aquarium passiert: Zur Ouvertüre werden Pflanzen gesetzt und Fische ins Wasser gelassen. Dann treten die Rheintöchter (Barbie 1 bis 3) auf und der hässliche Alberich, der die Bonbons (das Gold) aus der Modellhalle klaut. Das Spiel wiederholt sich im dritten Akt, diesmal mit Wotan, Loge (der Feuergott als Kermet, warum nur?) und den beiden Riesen. Dazwischen äußern sich – in Untertiteln – auf Fernsehern und Leinwänden Experten wie der Leiter des Richard Wagner Museums Bayreuth Sven Friedrich zur CD als Medium, Gesamtaufnahmen des Rings etc., regnet es Aufzeichnungen von Engels, steigt ein mit Teig Beschmierter zwischen die Säulen. Neugierige aufgepasst: Matratzen gibt es unten...

0 Kommentare

Neuester Kommentar