Kultur : Barenboim kritisiert Israels Rückzugspläne

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Der israelische Dirigent Daniel Barenboim hat die Politik des amtierenden israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert gegenüber den Palästinensern kritisiert. Die einseitigen Rückzugspläne seien „falsch“ sagte Barenboim, Generaldirektor der Deutschen Oper Berlin, dem in Wien erscheinenden Nachrichtenmagazin „Profil“: „Jeder vernünftige Mensch weiß, dass unilateral gefällte Entscheidungen nur kurzfristige Lösungen bringen können.“ Olmert hat angekündigt, dass sich Israel bis 2010 aus weiteren Palästinensergebieten zurückziehen will. Nach Ansicht Barenboims, der sich seit langem unter anderem mit einem israelisch-palästinensischen Jugendorchester für eine Aussöhnung engagiert, ist eine von beiden Seiten gefundene und akzeptierte Regelung notwendig.

Barenboim, der regelmäßig in Israel gastiert und immer wieder in den Palästinensergebieten auftritt, meinte, es sei „die Aufgabe der ganzen Welt, hauptsächlich aber die Aufgabe Israels, für die Palästinenser annehmbare Lebensbedingungen zu schaffen“. Notwendig sei deshalb eine pragmatische Lösung. „Man muss“, so Barenboim, „eingestehen, dass die Gründung Israels mit der Vertreibung von Palästinensern verbunden war. Also kann man von den Palästinensern nicht verlangen, das Existenzrecht Israels zu akzeptieren.“ Allerdings müssten auch die Palästinenser akzeptieren, dass sich die Realität geändert habe und diese Menschen nun einmal nach Israel gekommen seien: „Man kann von ihnen verlangen, die Existenz Israels anzuerkennen.“ dpa

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