Barenboim-Said-Akademie : Die Kunst des Zuhörens

Aus einer Sparidee von Klaus Wowereit erwuchs ein utopisches Projekt: die Barenboim-Said-Akademie. Im Sommer 2016 soll sie fertig sein.

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Daniel Barenboim und Edward Said beim Prinz von Asturien-Preis 2002
Daniel Barenboim und Edward Said beim Prinz von Asturien-Preis 2002Foto: Fundación Barenboim-Said

Die Barenboim-Said-Akademie verdankt ihre Entstehung einem unglücklichen Zufall. Als Klaus Wowereit die erste Kostenschätzung für die Sanierung der Staatsoper vorgelegt wurde, befand er, 300 Millionen Euro seien politisch nicht vermittelbar. Bei einer Ortsbegehung beschloss der Regierende Bürgermeister dann: Das an das Intendanzgebäude anschließende Kulissenmagazin wird künftig nicht mehr benötigt! Dadurch konnten genau jene 50 Millionen Euro aus der Finanzprognose herausgerechnet werden, die Wowereit dort nicht haben wollte.

So hat es der frühere Opernstiftungsdirektor Stefan Rosinksi am Freitag im Untersuchungsausschuss zur Staatsoper beschrieben. Daniel Barenboim, der am selben Tag vorgeladen war, bestätigte die Version: Der Regierende habe ihm vorgeschlagen, für das Magazin eine neue Nutzung zu entwickeln. Der Maestro dachte die Idee seines West-Eastern Diwan Orchestra weiter, imaginierte eine Ausbildungsstätte, in der arabische und israelische Instrumentalisten gemeinsam lernen, und zwar nicht nur Partituren, sondern vor allem auch die Kunst des Zuhörens. Die Hälfte des Curriculums sollte philosophisch-lebenspraktischen Übungen gewidmet sein.

Bekanntlich besorgte Daniel Barenboim anschließend das nötige Geld – 20 Millionen Euro vom Bund, 16 weitere Millionen bei privaten Mäzenen –, bekam vom Stararchitekten Frank Gehry kostenlos einen Entwurf geschenkt, gewann den ehemaligen Kulturstaatsminister Michael Naumann als Gründungsdirektor und legte los. Berlin steuerte lediglich die architektonische Hülle bei, per Erbpachtvertrag für einen symbolischen Euro pro Jahr – eben jenes Magazingebäude, das Wowereit aus der Staatsopernsanierung herausgerechnet hatte.

Ein Glücksfall für Berlin, zumal der multifunktional nutzbare, bis zu 620 Plätze bietende Pierre-Boulez-Saal auch an andere Akteure aus der Klassikszene vermietet werden soll. Man liege, erklärte Michael Naumann am Montag im Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses, im Zeit- und Kostenrahmen. Im Spätsommer 2016 sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein, die ersten 80 Stipendiaten können einziehen. Das erste Konzert soll im März 2017 stattfinden. Die Betriebskosten für dieses „utopische Programm“ übrigens zahlt der Bund.

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