Barenboim und die Staatskapelle Berlin : Harmonie statt Divenkrieg

Vier Solokonzerte an einem Abend: Daniel Barenboims Staatskapelle schlafwandelt in der Philharmonie.

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Daniel Barenboim am Pult der Staatskapelle.
Daniel Barenboim am Pult der Staatskapelle.Foto: Monika Rittershaus

Einen ganzen Abend widmet die Staatskapelle unter Daniel Barenboim der Gattung „Solokonzert“. Wer zählt die Völker, nennt die Namen, es gibt nicht weniger als vier Solisten. Den Anfang macht Konzertmeister Wolfram Brandl, der 2011 von den Philharmonikern zur Staatskapelle wechselte, mit Yulia Deyneka, die im Alltag die Bratschengruppe anführt.

Das Miteinander der beiden in Mozarts Sinfonia concertante gerät zum Vorzeichen für einen Abend, an dem das Prinzip Rivalität ausgeschaltet ist, obwohl dieses die Geschichte des Konzerts als Wetteifern verschiedener Instrumente durchaus befeuert hat. Nichts aber liegt dem Musizieren in der Philharmonie ferner als die Verzerrung dieses Wettbewerbsgedankens in Richtung Krieg der Diven. Stattdessen umgibt die Staatskapelle die zwei Kollegen mit Milde, fängt sie weich auf nach den Kadenzen, die ihrerseits zum innigen Duett zwischen der ohrenkitzelnd feinen Violine und der substanzstarken Bratsche geraten.

Danach tritt Jörg Widmann, Klarinettist und Komponist, mit seiner filigranen „Elegie für Klarinette und Orchester“ auf, und auch er wird gepflegt, auf schimmernden Klangflächen getragen, die quasi nur der Form halber durchsetzt sind mit aufkochenden Wortmeldungen aus dem Orchester.

Barenboim selbst übernimmt dann das Solo in Mozarts Klavierkonzert Es-Dur von 1785. Er freilich hätte – blockig geschnittene Phrasen, knallige Triller – etwas mehr üben dürfen. Dieser Mozart gelingt zwar auch, ein Orchester verrät seinen Chef ja nicht. Doch zumal gegen die fein durchgearbeitete Sinfonia concertante fällt das Stück ab in den Nebel eines Repertoires, das halt beherrscht wird.

Sei’s drum: Der große Vorzug der Staatskapelle liegt in der Homogenität ihres Klangs, der schlafwandlerischen Sicherheit in Fragen des musikalischen Stils, der Geschlossenheit ihres Auftritts, und darin bleibt dann auch ein solcher Programmpunkt geborgen.

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