Kultur : Barlach-Anwalt: Berkéwicz spielt auf Zeit

Suhrkamp-Chefin Ulla Unseld-Berkéwicz verzögert nach Ansicht von Miteigentümer Hans Barlach bewusst die Umsetzung des Insolvenzplans für den Berliner Verlag. Sie habe für ihre Familienstiftung immer noch nicht auf Gewinnforderungen von rund 4,5 Millionen Euro verzichtet, erklärte Barlachs Anwalt Carl Ulrich Mayer. „Das ist aber Bedingung für die Bestätigung des Insolvenzplans. Frau Unseld-Berkéwicz verweigert die Umsetzung ihres eigenen Plans.“

Suhrkamp wies die Vorwürfe zurück. Voraussetzung für die Aufhebung der Insolvenz, so der Verlag, sei neben dem Rangrücktritt der Familienstiftung auch ein Bewertungsgutachten: „Liegt beides vor, womit innerhalb der nächsten Wochen zu rechnen ist, kann die Aufhebung der Insolvenz kurze Zeit später folgen.“ Der Insolvenzplan sieht vor, den Verlag von einer Kommandit- in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln. Barlach, der über seine Medienholding mit 39 Prozent beteiligt ist, verlöre dadurch weitreichende Mitspracherechte. Das Amtsgericht muss die Annahme des Insolvenzplans durch die Gläubigerversammlung noch bestätigen. „Wir werden nicht alle Rechtsmittel zurückziehen und uns darüber freuen, Aktionär zu sein“, erklärte Anwalt Mayer für Barlach. „Dennoch wäre es uns nach wie vor am liebsten, wenn wir einvernehmlich zu einer Lösung kämen.“ Sollte der Insolvenzplan scheitern, will sich Barlach bei einem möglichen Bieterverfahren in einem Konsortium um den Gesamtverlag bemühen. „Wir werden um einiges höher einsteigen, als die Familie Ströher vermutlich bieten könnte“, sagte Mayer. Auch die Darmstädter Wella-Erben Ströher haben Interesse an einem Einstieg bekundet. In jedem Fall werde man eine Lösung suchen, die den Autoren entspreche, versicherte Mayer. Viele Schriftsteller hatten mit einem Ausstieg gedroht, sollte Barlach weiter maßgeblich Mitsprache behalten.

Unterdessen geht der seit sieben Jahren tobende Justizkrieg zwischen Barlach und Unseld-Berkéwicz weiter. Am Mittwoch will das Landgericht Frankfurt über zwei Klagen entscheiden, mit denen beide ihre juristischen Personen als Gesellschafter der Suhrkamp KG ausschließen lassen wollen. Zudem hat Barlach Verfassungsklage wegen der Insolvenzeröffnung eingereicht und Schadenersatzforderungen angekündigt. Er muss bei der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft auf über 2,5 Millionen Euro verzichten. Zusammen mit dem geforderten Verzicht von Unseld-Berkéwicz soll das Geld die Grundlage für die Sanierung des Verlags sein. dpa/Tsp

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