Kultur : Batman stürzt ab

Die erste Einzelausstellung von Katja Strunz in der Galerie Contemporary Fine Arts

Simone Reber

Sie wirkte unbestechlich. Noch bei der letzten Art Basel widerstand der kleine Faltenflieger von Katja Strunz Chichi und Klimbim der Umgebung. Wie eine schlafende Fledermaus hatte er sich an die Wand gekrallt. Die matte Außenhaut verweigerte jegliche Anbiederung und ließ das Objekt autark erscheinen.

Diese Unabhängigkeit ist jetzt wieder in der Ausstellung mit aktuellen Arbeiten bei Contemporary Fine Arts zu erleben, aber Katja Strunz offenbart hier auch ihre Achillesferse. Im Erdgeschoss breiten Stahlskulpturen ihre Batman-Schwingen aus, stürzen aus großer Höhe und nehmen dabei keinen Schaden. Souverän erobern Drachen den Luftraum, entfalten eine solche Dynamik, dass man ihr Schwirren zu hören glaubt, und verharren zugleich auf der Stelle. Die in Berlin lebende Bildhauerin faltet den Stahl, als handle es sich um Papier. Die Kanten wirken meist messerscharf, die Flächen aber sind pulverbeschichtet und stumpf. Im Katalog zu ihrer großen Ausstellung 2006 im Krefelder Haus Esters heißt es, Katja Strunz habe während ihres Studiums in Karlsruhe den Pinsel hingelegt, als sie die minimalistischen Spiegelobjekte des amerikanischen Bildhauers Robert Smithson gesehen habe. Smithson – blind: Das war ihr Ziel. Darüber hinaus sucht ihre Kunst deutlich die Auseinandersetzung mit der russischen Avantgarde. Die große Bodenplastik „Einbruchstelle“ (85 000 €), die der Ausstellung ihren Namen gibt, nimmt El Lissitzkys zukunftsfrohes Tempo auf, doch bei Katja Strunz ist der revolutionäre Höhenflug sanft gelandet.

Die monumentale „Memory Wall“ besteht aus schwarzen Quadraten und Würfeln, perfekt die einen, zerbeult die anderen (140 000 €). Manche dieser Erinnerungsspeicher sind verschlossen, andere wurden aufgebrochen, zerhämmert, abgeflammt. Erdrückend beherrscht die hohe Wand den schmalen Raum und untermauert die Sicherheit der 38-jährigen Künstlerin in kühnen Dimensionen. Aber was ist aus dieser Stärke im Obergeschoss der Ausstellung geworden? Hat Katja Strunz der Mut verlassen? Plötzlich blinkt und blitzt es. Poliertes Messing, glänzender Stahl, spiegelnde Emaille. Die Zeiger einer Uhr durchkreuzen einen Metallring. „Broken Bracelets“ wirkt dekorativ wie der Titel, dazu ist das Objekt prätentiös hinterleuchtet. Hier will die Kunst glänzen, gefallen, bedeuten. Auch die Treppe ins Nirgendwo (75 000 €) wirkt abgenutzt. Zwar nimmt auch sie das Thema der Künstlerin auf: die Gleichzeitigkeit von Geschwindigkeit und Stillstand, von Gegenwart und Vergangenheit, Untergang und Aufstieg. Aber das Bild ist allzu leicht übersetzbar. Bleibt nur der Weg zurück nach vorn. Zurück zu scharfen Kanten, matten Oberflächen, zur sanften Aggressivität der Avantgarde. Die Fledermaus jagt blind. Das macht sie einzigartig.

Contemporary Fine Arts, Am Kupfergraben 10; bis 20. Dezember, Di-Fr 11-18 Uhr, Sa 11-16 Uhr.

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