Kultur : Bauchtanz mit Tschechow

RÜDIGER SINGER

Von einem Tschechow-Stück erwartet man eigentlich gescheiterte Existenzen, die sich nach allen Regeln der Kunst in irgendwelchen Einöden anöden - etwas für erlesenes Sprechtheater.Wenn aber Yüksel Yolcu für das "carrousel"-Jugendtheater einen kurzen Schwank wie den "Heiratsantrag" anpackt, empfangen in der Werkstatt des Schiller-Theaters vier türkische Musiker die Besucher: mit Saxophon und Klarinette (Mesut Lekesiz), Akkordeon (Ervin Hizliok), Percussion, Darbuka und Mazhar (Mehmet Saray, Mustafa Kocabey) und einer Musik, die einen Bauchtanz erwarten läßt.

Einen imposanten Bauch hat der Gutsherr Lomow (Andreas Erfurth) in der Tat und tänzelt ausdrucksvoll auf seinen Stiefelchen einher - eher neurotisch als erotisch.Lomotow möchte seine Nachbarin Natalia heiraten.Diese, von einem Mann verkörpert (Juan Carlos Arias), führt eine Mischung aus Bauch- und Triumphtanz auf - als nämlich ihr Freier ohnmächtig (oder tot?) am Boden liegt.Da kommt ihr zu Bewußtsein, daß sie ihn ja heiraten wollte - zu dumm, daß sie sich während des Flirtens gleich zweimal in einen wilden Krach hineingesteigert haben.Wohl aber unvermeidlich, schon weil Natalias balinesische Gesichtsmaske ihre Augen zu lauernden Schlitzen macht, während die Maske ihres Freiers dessen hypochondrisches Augenrollen hervorhebt.

Das restliche Kostüm und die weiteren Clownshampeleien ergeben sich daraus mit chaotischer Konsequenz.Schließlich weiß Natalias Vater Tschubukow (Jaime Tadeo Mican), ein am Stock trippelnder Greis mit schlohweißem Schnurrbart, keinen anderen Rat, als sich zu erschießen.Tut er aber nicht.Und die beiden kriegen sich doch.Schön, daß Tschechow auch einfach ein praller Spaß sein kann.

Wieder am 5./6.2.; 10./11.3.; 27./28.5.; jeweils 19.30 Uhr.

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