Kultur : Bauen im Moor

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AUSSTELLUNG

Dass Berlin in den letzten Jahren mehr und mehr zum Anziehungspunkt für junge Künstler geworden ist – ein Allgemeinplatz. Wie stark diese Künstler auf die Stadt reagieren, in der sie arbeiten, darauf macht eine Ausstellung in der ehemaligen Staatsbank am Gendarmenmarkt aufmerksam (Di - So, 14 bis 20 Uhr). Layered Histories, kuratiert von Ulrike Kremeier, entstand anlässlich des 160-jährigen Bestehens des Vereins Berliner Künstler und ist ein Versuch, die traditionsreiche Institution an zeitgenössiche Entwicklungen anzuschließen. Die Künstlergeneration, die hier auftritt, ist eher fasziniert durch Alexanderplatz und Fernsehturm als durch Kudamm und Funkturm, nutzt Installation und Video eher als Malerei und Skulptur, ist um die 30 und zum überwiegenden Teil aus Westdeutschland nach Berlin gekommen. Die große Traditions-Klammer, die Kremeier mit Stadtveduten aus der Zeit um 1840 (der Entstehungszeit des Berliner Künstlervereins) aufmacht, trägt nicht wirklich. Nur in Bildern des Veteranen Matthias Koeppel, dessen nostalgisch-realistischer Lehrter Bahnhof der Feier des zum Abriss geweihten Stadtbahnhofs dienen, findet sich ein ähnlich freundlich-objektiver Blick. Die überwiegende Anzahl der Werke verfremdet und polemisiert: So Florian Schmid, dessen „Stockpaintings“ traditionelle Stadtveduten mit Labels aus der Werbung kombinieren. Was es heißt, in Berlin zu leben, thematisiert Alisa Anh Kotmair, indem sie Hildegard Knefs Song „In dieser Stadt“ einer zum Chor geklonten Sängerin in den Mund legt, während im Hintergrund Stadt- und Landschaftsaufnahmen ablaufen. Angje Majewskis „Passantinnen“ wie auch Elisabeth Störmer-Hemmelgarns „S-Bahn“ knüpfen an Koeppels Realismus an und zeigen die Einsamkeit moderner Großstadtmenschen, während Albrecht Schäfer mit seinen Alexanderplatz-Szenarien und Erik Göngrich mit der Umfrage „In welcher Farbe würden Sie Ihre Stadt anstreichen?“ stadtplanerische Fragen aufgreifen und ironisieren. Die „Scapebar“, die Astrid Bornheim im zentralen Saal aus geschichteten Eternitplatten in Form von Wohnblöcken errichtet hat, ist nicht wohnlich – aber ein geeigneter Aufenthaltsort, um sich einen Moment lang darüber zu freuen, dass Kunst so kritisch ihr Umfeld reflektieren kann. Gut für Berlin. Christina Tilmann

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