Kultur : Bayreuth: Gérard Mortier erklärt sich

Der belgische Kulturmanager Gérard Mortier (64) will für ein mögliches Engagement bei den Bayreuther Festspielen nicht auf die Leitung der City Opera in New York ab 2009 verzichten. „Das Bayreuther Festival sollte mit seiner Sechs- Wochen-Saison (plus Proben) meine Arbeit dort nicht beeinträchtigen“, erklärte Mortier laut „New York Times“ vom Mittwoch per E-Mail. Mortier, derzeit Direktor der Pariser Oper, hat sich mit Nike Wagner (63) überraschend um die künftige Leitung der Festspiele beworben. Außerdem möchte er, so Mortier, ein Signal an den Vorstand der New Yorker Oper senden. Das Gremium ist mit seinem Spielplan nicht glücklich und hat den Finanzetat nicht aufgestockt.

Nike Wagner und Gérard Mortier wollen die Bayreuther Festspiele im Sinn des „Zukunftsmusikers“ Richard Wagner weiterentwickeln. Die Frage sei „Weitermachen oder Neubeginn, Traditionalismus oder Zukunftsvision?“ Es gehe um „höchste musiktheatralische Qualität, um die – nicht nur szenische – Auseinandersetzung mit dem Werk Wagners“ sowie um dessen Stellung „im europäischen und außereuropäischen Kontext“. Ihr ausführliches Konzept wollen beide den Mitgliedern des Bayreuther Stiftungsrates am 1. September vorstellen.

Auch wenn sich Bund und Freistaat Bayern seit längerem für Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier ausgesprochen haben, gibt es offiziell keinen Favoriten. Man werde beide Konzepte prüfen, so der Vorsitzende des Stiftungsrates, Toni Schmid. Ob am Montag bereits das letzte Wort gesprochen wird, bleibt abzuwarten. Der Stiftungsrat sieht sich nicht unter Zugzwang. Selbst nach einer Entscheidung müssen noch Inhalt, Dauer und Dotierung der Verträge geregelt werden.

Katharina Wagner erläuterte derweil in der „Bild“-Zeitung Details ihres Konzeptes mit ihrer Halbschwester Eva. Die 30-Jährige will die Festspiele für ein größeres Publikum öffnen und Opern auch für Kinder und an ausgefallenen Orten inszenieren. Auch das Public Viewing soll verstärkt werden. 2009 werde „Tristan und Isolde“ auf Großbildleinwand übertragen, 2013 der ganze „Ring des Nibelungen“. Ferner seien eine Festspiel-Akademie sowie eine stärkere Auseinandersetzung mit dem Dritten Reich und der Vereinnahmung Wagners durch die Nazis geplant. Tsp/dpa

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben