Kultur : Bayreuth soll Wagner-Archiv öffnen Historiker kritisiert Festspielchefin

Die Bayreuther Festspielchefin Katharina Wagner hat nach Ansicht des Historikers Hannes Heer ihre Aussage, das Privatarchiv ihres Vaters der Öffentlichkeit komplett zugänglich zu machen, bislang nicht eingelöst. „Bisher hat sie genau das Gegenteil gemacht“, sagte Heer gegenüber dpa. „Als ich sie vor einem Jahr als Kurator der von der Richard-Wagner-Stiftung und der Stadt Bayreuth in Auftrag gegebenen Ausstellung ,Verstummte Stimmen’ darum bat, mir den Zugang zu dem Nachlass ihres Vaters zu erlauben, hat sie mir erklärt, dass sie das Material ,einem Historiker ihres Vertrauens’ überlassen habe. Dabei blieb es: Alle Versuche der Stiftung und der Stadt, zu einer Absprache mit ihrem ,Hofhistoriker’ zu kommen, scheiterten.“

Bei den von den Festspielen Beauftragten handelt es sich um den Journalisten Peter Siebenmorgen und den Stuttgarter Historiker Wolfram Pyta, die regelmäßig über ihre Arbeit informieren sollten – was bisher jedoch nicht geschah. Katharina Wagner hatte in der „Bild am Sonntag“ betont, sie habe kein Problem damit, „das in meinem Alleineigentum und Besitz befindliche Material in vollem Umfang der Öffentlichkeit“ zugänglich zu machen.

Heer forderte, sie solle den Worten Taten folgen lassen und spätestens am Ende der diesjährigen Festspiele „den Nachlass ihres Vaters dem Nationalarchiv der Richard-Wagner-Stiftung zur Verfügung stellen oder der Einsetzung einer unabhängigen Historikerkommission zustimmen“. Er erinnerte daran, dass Wolfgang Wagner in dieser Hinsicht kein Vorbild gewesen sei – bis er Brigitte Hamann Material für deren Bestseller „Winifred Wagner oder Hitlers Bayreuth“ zur Verfügung stellte. Die Ausstellung „Verstummte Stimmen. Die Bayreuther Festspiele und die Juden 1876 bis 1945“ zeigt, wie jüdische Komponisten, Dirigenten, Regisseure, Sängerinnen und Sänger schon im Kaiserreich und in der Weimarer Republik von der Festspielleitung ausgegrenzt und diskriminiert wurden. Einerseits, konstatiert Heer, hätte Katharina mit ihrer Halbschwester Eva Wagner-Pasquier großzügig erlaubt, die Schau auf dem Festspielhügel zu zeigen. Andererseits unterlasse sie es, den zweiten Schritt zu tun und das Privatarchiv des Vaters zugänglich zu machen. „Nur durch das angstfreie Zusammenwirken von Wagner-Familie und Geschichtswissenschaft kann die produktive Nutzung dieses letzten Teils des deutschen Nibelungenschatzes gelingen.“Tsp

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